--->SEEUNFÄLLE

Küstenwache   Foto : Kersandt, D.

Menschliches Versagen – eine nicht beeinflussbare Ursache für Katastrophen auf See ?

Anmerkungen zum Seeunfall des Kreuzliners „Costa Concordia“ (Erkenntnisstand: Januar 2012)


Diethard Kersandt

Ein Versuch der Erklärung


Niemand hatte den Kapitän aufgefordert, den Kurs der „Costa Concordia“ zu ändern, der ursprünglich in tiefem Wasser an der Isola del Giglio vorbeiführte und diese in sicherem Abstand an der Steuerbordseite liegen ließ. Oder doch ? Das Schiff war mit moderner Technik ausgestattet, von der die Hersteller immer wieder schrieben, dass sie zur Sicherheit und Wirtschaftlichkeit des Schiffes beitragen würde, zuverlässig sei, leicht zu warten und einfach zu bedienen wäre. Er hätte sich an diesem späten Abend nach dem Verlassen des Hafens Civitavecchia zur Ruhe begeben oder sich unter die Passagiere mischen und in aller Ruhe der modernen Technik und den Nautikern auf der Brücke vertrauen können. Mehr als 4200 Passagiere und Besatzungsmitglieder fühlten sich sicher und geborgen auf diesem Schiff, hatten die Reise voller Erwartungen angetreten und beschäftigten sich mit den verschiedenen schönen Dingen, die dieses Schiff ihnen anbot. Niemand dachte daran, dass er in weniger als 1 Stunde in dunkler Nacht das Schiff verlassen und notfalls in die kalte See springen müsste, um sein Leben zu retten oder es zu verlieren.  ....


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Zur handlungsregulierenden Wirkung einer Information

Wenn Hoffnungen, Erwartungen und Routinen die Schiffsführung bestimmen


Diethard Kersandt


1. Einführung
In der HANSA, Hefte 10 / 2008, 10 / 2009 und 11 / 2009 setzte sich der Verfasser mit dem Seeunfall des Containerschiffes “Cosco Busan“ (Berührung eines Pfeilers der San Francisco Bay Bridge am 07. November 2007) auseinander. Ausführliche Untersuchungen sind in / 6 / und / 7 / niedergelegt. Nicht immer ist der Verfasser der Ursachenermittlung und den Schluss-folgerungen des NATIONAL TRANSPORTATION SAFETY BOARD (NTSB) der USA gefolgt. Ursächlich dafür war vor allem die vorschnelle „Klassifizierung“ der Ursachen in die bekannte Kategorie „menschliches Versagen“. Paul Rogers formulierte das Problem in seinem Beitrag vom 13. November 2007 für die “Oakland Tribune” wie folgt :
"The $100 million question is why did he choose to turn when he did ?” / 8 /


Diese Frage ist nur zu beantworten, wenn man einen kleinen „Ausflug“ in die Kognitions- bzw. Arbeitswissenschaften macht. Das NTSB unternahm einen derartigen Versuch nicht ! Das ist um so bedauerlicher, da aussagefähige Unterlagen, Berichte und Aufzeichnungen zur Verfügung standen, aus denen die Handlungsregulierung des Lotsen klar zu rekonstruieren und nachzuweisen war. Durch den veränderten Charakter der Schiffsführung als Informa-tionsverarbeitungsprozess tritt einerseits die Forderung nach adäquaten Untersuchungs-methoden immer stärker zu Tage. Andererseits sind nachhaltige präventive Maßnahmen aus diesem Seeunfall nur dann abzuleiten, wenn die Regulationsgrundlagen für die Handlungen des Lotsen durchschaubar werden. Der Verfasser widmet sich nochmals diesem Fall, weil die angesprochene Problematik für die Ursachernermittlung und die Gestaltung von Schiffs-führungssystemen hoch aktuell ist.  .....


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Containerschiff „COSCO BUSAN“ : Berührung mit dem „Delta Tower“ (D) der San Francisco - Oakland Bay Bridge auf der Überfahrt von Liegeplatz Nr. 58 im Port of Oakland nach Busan, South Korea

Bericht : Rekonstruktion des Seeunfalles und Untersuchung von Informa-tionsmängeln als Ursache für Fehlhandlungen des Lotsen - eine Diskus-sionsgrundlage

HINWEIS : Containerschiff „COSCO BUSAN“
Berührung mit dem „Delta Tower“ (D) der San Francisco - Oakland Bay Bridge auf der Überfahrt von Liegeplatz Nr. 58 im Port of Oakland nach Busan, South Korea
(Rekonstruktion des Seeunfalles und Untersuchung von Informationsmängeln als Ursache für Fehlhandlungen des Lotsen - eine Diskussionsgrundlage)     

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und

Containerschiff „COSCO BUSAN“
Der Bericht wird ergänzt und erläutert durch die ppt.- Präsentationen :
1. Rekonstruktion des Seeunfalles und Diskussion seiner Ursachen (TEIL 1 : 65 Bilder)
(Gründe für Mängel in der Informationsverarbeitung unter dem Aspekt ihrer Verhütung) (CoscoBusan_INFO-Analyse-Teil1.odp)  

2. Rekonstruktion des Seeunfalles und Diskussion seiner Ursachen (TEIL 2 : 92 Bilder)
(Gründe für Mängel in der Informationsverarbeitung unter dem Aspekt ihrer Verhütung) (CoscoBusan_INFO-Analyse-Teil2.odp)      

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und                                       

 M/V „Cosco Busan“ - eine kritische Auseinandersetzung mit den durch die U.S. Coast Guard festgestellten Ursachen und Schluss-folgerungen aus dem Seeunfall

(mit Diskussion zur Qualität der Racon-Signale, VDR- Bildmaterial) (Mai 2009)

Ausarbeitung mit Ergänzungen        

unter Nr. 8   PUBLIKATION/DOWNLOAD  

INHALT

Einführung Seite 3

1.Handlungsrelevante Informationsquellen des Lotsen 8
2.Aufgabenstellung für den Lotsen 12
3.Unfallhergang und Kommentierung 13
4.Erklärungsversuche in den Medien 48
5.RADAR-Anzeigen und RACON-Signale 54
6.Untersuchung des Informationsmangels 67
6.1 Entstehung von Fehlhandlungen und Untersuchungsansatz 67
6.2 Fehlermöglichkeiten in komplexen Situationen der Schiffsführung 69
6.3 Informationsmängel als Ursache von Fehlhandlungen 71
6.4 ZUSAMMENFASSUNG der Fehlhandlungsanalyse 79
7. Kurzdarstellung der Ergebnisse 87

Literaturverzeichnis 93

Der Bericht wird ergänzt und erläutert durch die ppt.- Präsentationen :

1. Rekonstruktion des Seeunfalles und Diskussion seiner Ursachen (TEIL 1 : 65 Bilder)
(Gründe für Mängel in der Informationsverarbeitung unter dem Aspekt ihrer Verhütung) (CoscoBusan_INFO-Analyse-Teil1.odp)
2. Rekonstruktion des Seeunfalles und Diskussion seiner Ursachen (TEIL 2 : 92 Bilder)
(Gründe für Mängel in der Informationsverarbeitung unter dem Aspekt ihrer Verhütung) (CoscoBusan_INFO-Analyse-Teil2.odp) 
                                                                                                                                        

EINFÜHRUNG

„On November 7, 2007, at approximately 0830 PST, the Hong Kong flag vessel M/V Cosco Busan, a 901-foot container ship operated by Fleet Management Limited and owned by Regal Stone Limited, with a complement of 24 crew, allided with the delta tower of the San Francisco-Oakland Bay Bridge while en route from the Port of Oakland berth 56 to Busan, South Korea. The 65000 gross ton vessel sustained signifigant damage to the hull and internal structure and released approximately 58000 gallons of bunker fuel into the San Francisco Bay. No injuries were reported to the crew.“ / 1 /

Angesichts der schwersten Ölpest in der Bucht von San Francisco seit 20 Jahren haben die Bundesbehörden (NTSB) der USA die Ermittlungen aufgenommen.

Der Seeunfall führte zu einer außergewöhnlich starken Beachtung in den Medien und in der Öffentlichkeit. Mit vielen Fragen wurde versucht, die Hintergründe des Unfalls aufzuklären. Bis heute blieben die Antworten im Bereich der Spekulation und der Vermutungen. Reporter Paul Rogers formulierte das Problem in seinem Beitrag vom 13. November 2007 für die “Oakland Tribune “UPDATE: Ship transponder data shows Cosco Busan changed course and ...”
wie folgt :

"The $100 million question is why did he choose to turn when he did?

(Quelle : Paul Rogers "UPDATE: Ship transponder data shows Cosco Busan changed course and". Oakland Tribune. Nov 13, 2007. FindArticles.com. 23 Jul. 2008. http://findarticles.com/p/articles/mi_qn4176/is_20071113/ai_n21100810)

Die nachstehende Analyse versucht nun, trotz offenkundig bereits feststehender Schuldzuweisung und leicht formulierbarer Verfehlungen die Ursachen für das Versagen des Lotsen zu erforschen. Dazu reichen herkömmlich angewendete Analyseverfahren nicht aus. Auch Datenrecorder sind nur eine technische Hilfe; sie geben ohne die richtigen Fragestellungen nur unvollkommene Antworten. Um bei dem heutigen Entwicklungsstand der Technik und den immer komplexeren Zusammenhängen von Mensch, Maschine, Organisationen und Umwelt in der Schiffsführung zu Erkenntnissen zu kommen, die in erster Linie zu präventive Maßnahmen führen und dabei die ganzheitliche Prozessbetrachtung im Visier haben, müssen Untersuchungsverfahren angewendet werden, die den Tätigkeitsmerkmalen der „Schiffsführer“ entsprechen. Mit anderen Worten : man muss verstehen, welche kognitiven Prozesse bei der Situationsanalyse ablaufen, durch welche Informationen sie geprägt werden und welche Handlungsmuster und -abläufe im Verlaufe der Informationsverarbeitungsprozesse auftreten und welche Ursachen zu welchen Mängeln in diesen Prozessen führten.

Der offizielle Untersuchungsbericht des NTSB liegt dem Verfasser bis heute nicht vor. Aus diesem Grund musste ausschließlich auf öffentlich zugängliche Quellen zurückgegriffen werden. Dazu gehören insbeondere umfangreiche Dokumente des NTSB, die im Internet unter der Adresse www.ntsb.gov/Dockets/Marine/DCA08MM004/default.htm veröffentlicht wurden. Die Analyse des Verfassers ist also frei von offiziellen Erklärungen und beruht ausschließlich auf seinen Erfahrungen und Methoden zur Untersuchung derartiger, scheinbar unverständlicher Fehler bei Seeunfällen.

Wichtigste Informationsquelle war der Voyage Data Recorder (VDR). Der Verfasser ging davon aus, dass die dort aufgezeichneten Radarbilder objektive Auskunft über die Art der Informations-gewinnung und -verarbeitung durch den Lotsen geben können (z.B. Gebrauch des EBL, des VRM, der Entfernungsbereiche). In Zusammenhang mit den aufgezeichneten Gesprächen lieferten diese Informationen den wichtigsten Hintergrund für die Entscheidungen und Handlungen des Lotsen im Verlaufe der aktuellen Geschehnisse. Ergänzt werden die Unterlagen durch ein Bild der elektronischen Seekarte vom Unfallgebiet, eine Papierseekarte mit per Hand eingetragenen Kursen und die per Rechner vorgenommene Reiseplanung des Schiffes, aus der die vom Kapitän beabsichtigten Kurse des Schiffes entnommen werden konnten.
Die Ergebnisse der Vernehmung des Lotsen und der Anhörung von Experten mussten unter Berücksichtigung der individuellen Interpretation der Befragten betrachtet werden.

Um die Vorgänge, die Analyse des Verfassers und die Meinungen der Befragten bzw. des beteiligten Lotsen für den Leser verständlicher darzustellen, wurden sie in den chronologischen Ablauf laut VDR- Aufzeichnung eingefügt.

Der Verfasser stellte sich folgende Fragen bzw. Aufgaben :

1.Welche Handlungsgrundlagen lassen sich aus den aufgezeichneten Informationsquellen erkennen ?

2.Wie haben diese Informationsquellen die Entscheidungen des Lotsen beeinflusst ?

3.Welche Informationsquellen haben eine besondere Wirkung auf die kognitiven Vorgänge ausgeübt (Bildung des „inneren Modells) ?

4.Welche Ursachen lassen sich daraus für Fehlhandlungen ableiten ?

3.Welche Zusammenhänge lassen auf menschliches Versagen schließen und wie sind
Mängel in der Informationsverarbeitung zu begründen?

5. Lassen sich technische Mängel nachweisen und wie ist insgesamt die Verlässlichkeit
des integrierten Schiffsführungssystems einzuschätzen ?

6.Gibt es Hinweise in Unterlagen des Schiffes oder aus Gesprächen, die eine Mitverantwortung für den Ablauf der Handlungen des Lotsen erkennen lassen ?

7.Welche Schlußfolgerungen lassen sich für die Seeunfallverhütung ableiten ?


Mit Kapitän Paul Drouin aus Canada habe ich zu diesem Seeunfall eine Reihe sehr nützlicher fachlicher Gespräche geführt. Er hat mich sehr dabei unterstützt, die Hintergründe des Falles zu verstehen. Vielen Dank, Paul !

Bitte informieren Sie sich über Kapitän Paul Drouin und seine Homepage unter dem folgenden Link :                         

                            ------>   ------->   ------->                                    http://www.safeship.ca/

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M/V „Cosco Busan“ - eine kritische Auseinandersetzung mit den durch die U.S. Coast Guard festgestellten Ursachen und Schlussfolgerungen aus dem Seeunfall

Diethard Kersandt (Mai 2009)

Vorbemerkungen

In „Schiff & Hafen“, Heft 11 / 2008, Seiten 110 – 116 bzw. HANSA, Heft 10 / 2008, S.58 – 63 setzte sich der Verfasser in seinem Beitrag „Die Informationsfalle oder warum der Lotse der „Cosco Busan“ einen Fehler beging“ mit dem Seeunfall des Containerschiffes (Berührung eines Pfeilers der San Francisco Bay Bridge am 07.November 2007) auseinander. Zur Erinnerung :
“WASHINGTON—John Joseph Cota, the pilot of the Cosco Busan, the 65,131-ton container
ship that collided with the San Francisco Bay Bridge (Nov. 7, 2007) resulting in the discharge of approximately 58,000 gallons of oil, was charged today with violations of the Clean Water Act (CWA) and the Migratory Bird Treaty Act (MBTA), ... Cota was licensed by the U.S. Coast Guard and the State of California as a Bar Pilot. He was a member of the San Francisco Bar Pilots and had been employed in the San Francisco Bay since 1981. …“
(Quelle : http://maritimeaccident.wordpress.com/2008/03/18/

us-justice-department-statement-oncosco- busan-pilot/)

Im März diesen Jahres veröffentlichte die U.S. Coast Guard ihren Untersuchungsbericht / 1 /. Die nun folgende kritische Auseinandersetzung bezieht sich auf die Ausführungen in diesem aktuellen Bericht. Sofern auf den Bericht Bezug genommen wird, handelt es sich um die freie Übersetzung des Verfassers. Er hat das Ziel, seine Sichtweise in die Ursachenbetrachtung dieses Seeunfalles einzubringen und dabei den Problemen der Informationsverarbeitung, der Handlungsregulation, der kognitiven Vorgänge die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient. In zunehmendem Maße steht sie bei der Steuerung komplexer und komplizierter, dynamischer und zufälliger Prozess in der Schiffsführung sowie in der Seeunfalluntersuchung im Mittelpunkt (s. z.B. solche Schlagworte wie : human error, situation awareness, e-navigation). Unerlässlich dabei ist, dass sich die untersuchenden Behörden neben modernen technischen Mitteln der Unfallanalyse vor allem mit der Interpretation von aufgezeichneten Dokumenten (Sprache, Bilder) beschäftigen, die den „humanorientierten“ Hintergrund für Ereignisse und Handlungen abbilden. Geschieht das nicht, bleibt die Unfallanalyse in technischen, organisatorischen und verfahrenstechnischen Fragmenten stecken, die letztlich zwar ein Ergebnis liefern, das ein Fehlverhalten vermuten läßt, die wahren Ursachen aber nicht aufzudecken in der Lage sind. Lotse und Kapitän haben viele Fehler gemacht.
Die Ergebnisse und Empfehlungen der amerikanischen Untersuchung führen möglichweise zur Reduzierung derartiger Fehler. An den tatsächlichen Ursachen des Unfalles aber gehen sie weitgehend vorbei und liefern damit, wenn auch ungewollt, einen Beitrag für das Weiterbestehen einer potentiellen Gefahr in diesem sensiblen Seegebiet.
Der vollständige Unfallanalyse / 5 / des Verfassers mit sehr umfangreicher Bilddokumentation kann über das FORUM SCHIFFSFUEHRUNG angefordert werden. "Findings (des NTSB : Accident Report, NTSB/MAR-09/01, National PB2009-916401, Transportation Safety Board Notation 7976B/C, Adopted February 18, 2009 : “Allision of Hong Kong‐Registered Containership M/V Cosco Busan with the Delta Tower of the San Francisco–Oakland Bay Bridge” ; San Francisco, California; November 7, 2007).1. The following were neither causal nor contributory to the accident: wind and current; the vessel propulsion and steering systems; the bridge navigation systems; bridge team response to orders; vessel harbor traffic; navigation aids, including the RACON at the center of the Delta–Echo span; maintenance of a proper lookout; pilot training and experience; and vessel traffic service equipment and operational capability.
2. The California Department of Transportation’s assessment of damage to the San Francisco– Oakland Bay Bridge following the allision was timely and appropriate.
3. The California Department of Transportation’s decision to allow the bridge to remain open to traffic after the allision was appropriate.
4. In this accident, the bridge tower fendering system worked as intended to protect the pier structure and to limit damage to the striking vessel to the area above the waterline.
5. The pilot’s order for hard port rudder at the time of the allision was appropriate and possibly limited the damage to the vessel and the bridge fendering system.
6. Although the pilot had been diagnosed with sleep apnea, he was being treated for the
condition, and there was no evidence that he was sleep-deprived at the time of the accident.
7. As evidenced by his prescription history and duty schedule, the pilot was most likely taking a number of medications, the types and dosages of which would be expected to degrade cognitive performance, and these effects were present while the pilot was performing piloting duties, including on the day of the accident.
8. The Cosco Busan pilot, at the time of the allision, experienced reduced cognitive function that affected his ability to interpret data and that degraded his ability to safely pilot the ship under the prevailing conditions, as evidenced by a number of navigational errors that he committed.
9. The pilot and the master of the Cosco Busan failed to engage in a comprehensive master/pilot information exchange before the ship departed the dock and failed to establish and maintain effective communication during the accident voyage, with the result that they were unable to effectively carry out their respective navigation and command responsibilities.
10. The master of the Cosco Busan did not implement several procedures found in the company safety management system related to safe vessel operations, which placed the vessel, the crew, and the environment at risk.
11. The interactions between the pilot and the master on the day of the allision were likely influenced by a disparity in experience between the pilot and the master in navigating the SanFrancisco Bay and by cultural differences that made the master reluctant to assert authority over the pilot.
12. Because the Cosco Busan master was the only crewmember to have been drug tested in a timely manner, no conclusive evidence exists as to whether the use of illegal drugs by the other crewmembers played a role in the accident.
13. Vessel Traffic Service San Francisco personnel, in the minutes before the allision, provided the pilot with incorrect navigational information that may have confused him about the vessel’s heading.
14. Vessel traffic service communications that identify the vessel, not only the pilot, would enhance the ability of vessel masters and crew to monitor and comprehend vessel traffic service communications.
15. Although Vessel Traffic Service San Francisco personnel should have provided the pilot and the master with unambiguous information about the vessel’s proximity to the Delta tower, the Safety Board could not determine whether such information, had it been provided, would have prevented the allision.
16. The lack of U.S. Coast Guard guidance on the use of vessel traffic service authority limited the ability of Vessel Traffic Service San Francisco personnel to exercise their authority to control or direct vessel movement to minimize risk.
17. Even though the pilot’s personal physician, who prescribed the majority of medications to the pilot, was aware of the pilot’s occupation and his medical history, including his documented history of alcohol dependence, he continued to inappropriately prescribe medications that, either individually or in concert, had a high likelihood of adversely affecting the pilot’s job performance.
18. Although the pilot did not disclose to the physician who conducted his January 2007 medical evaluation all of his medical conditions or medication use, as he was required to do, the physician exercised poor medical oversight on behalf of the California Board of Pilot Commissioners by finding the pilot fit for duty despite having collected sufficient
information regarding his multiple medical conditions and medications to call into question his ability to perform his piloting duties safely.
19. Although the pilot did not disclose to the U.S. Coast Guard and the California Board of Pilot Commissioners all of his medical conditions or medication use, as he was required to do, the information he did provide should have been sufficient to prompt the Coast Guard, at a minimum, to conduct additional review of the pilot’s fitness for duty.
20. The U.S. Coast Guard, which had the ultimate responsibility for determining the pilot’s medical qualification for retaining his merchant mariner’s license, should not have allowed the pilot to continue his duties because the pilot was not medically fit.21. The U.S. Coast Guard’s system of medical oversight of mariners continues to be deficient in that it lacks a requirement for mariners to report changes in their medical status between medical evaluations.
22. Fleet Management Ltd. had failed to adequately train the Cosco Busan crewmembers, who were new to the vessel, who had not worked together previously, and who for the most part were new to the company, and this failure contributed to deficient bridge team performance on the day of the accident.
23. Providing a safety management system manual to the Cosco Busan crew only in English and not also in the vessel’s working language limited the crewmembers’ ability to review and follow the SMS.
24. Fleet Management had not successfully instilled in the Cosco Busan master and crew the importance of following all company safety management system procedures.
25. The failure of the U.S. Coast Guard and the California Department of Fish and Game’s
Office of Spill Prevention and Response to quickly quantify and relay an accurate estimate of the quantity of oil spilled to the Unified Command did not affect the overall on-water recovery effort in this accident.
26. The Federal on-scene coordinator failed to aggressively use the resources available to him to obtain timely and accurate information about the extent of the spill in order to fulfill his responsibilities.
27. Effective communication regarding response activities was established and maintained between the oil spill response organizations, the qualified individual, the U.S. Coast Guard, and the Unified Command on the day of the accident.
28. The designated oil spill response organizations’ level of response to the Cosco Busan fuel oil spill was timely and effective.
29. A mechanism for the collection and regular communication among pilot oversight
organizations of pilot-related performance data and information regarding pilot oversight and best practices would enhance the ability of those organizations to effectively oversee pilots.
30. Recently implemented international regulations with regard to the protection of fuel oil tanks on nontank vessels will, over time, reduce the likelihood of oil spills in mishaps such as occurred with the Cosco Busan."Die Empfehlungen der U.S. Coast Guard in Auszügen :Empfehlungen beziehen sich iin der Regel auf die von der Untersuchungsbehörde festgestellten Mängel, Versäumnisse, Unzulänglichkeiten und Bedingungen, die zum Unfall beigetragen haben sollen. Sie sind Hinweise auf vorzunehmende Änderungen verschiedener Art, die zukünftig derartige Unfälle zu verhindern (besser: zu reduzieren) geeignet sind. Zwischen Ursachen und Empfehlungen sollte ein enger Zusammenhang bestehen. Sehen wir uns die Empfehlungen aus dieser Betrachtungsebene an.
Empfehlung 2 : Den Eignern und dem Management der „Cosco Busan“ (CB) wird empfohlen, das Safety Management System (SMS) und die Verfahren zur Prüfung der Ausrüstung vor einer Reise zu überprüfen sowie die Vertrautheit der Besatzung im Umgang mit den Geräten und die Schiffsführung bei verminderter Sicht zuverbessern.
Empfehlung 3 : Dem Hafenkapitän und der Sicherheitsbehörde des Hafens wird empfohlen, eine risikobasierte Entscheidungshilfe für das Fahren bei verminderter Sicht auszuarbeiten (bereits realisiert durch : spezielle Vorschriften für das Fahren von Schiffen größer als 1600 BRT bei Sichtverhältnissen unter ½ Seemeile; Einsatz eines zusätzlichen Radarbeobachters im VTS bei Sicht unter ½ sm; Verbesserung des Trainings der Radarbeobachter.
Empfehlung 4 : Dem VTS San Francisco wird empfohlen, Verfahren für das Training und die Durchsetzung der Befugnisse der Coast Guard unter den Bedingungen des „Ports and Waterways Safety Act“ (PWSA) zu erarbeiten, um die Verfahren nach Empfehlung 3 zu implementieren.
Empfehlung 5 : Den Lotsen wird empfohlen, eine Studie der technologischen Neuheiten, die von Lotsen in anderen Bereichen angewendet werden, durchzuführen. Die Studie sollte wenigstens berücksichtigen : das Für und Wider von gegenwärtig genutzten Systemen, die von anderen Lotsenvereinigungen angewendet werden, unter den Bedingungen der Bucht von San Francisco; unabhängig davon sollte ein portables System mit AIS-Anschluss zum minimalen Pflichtstandard gehören; diese Systeme sollten einer jährlichen Prüfung durch eine unabhängige Firma unterzogen werden; es sollten minimale Trainings- und Qualifikationsanforderungen für jedes genutzte System vorgeschrieben werden.
Empfehlung 6 : Diese und weitere Empfehlungen (bis einschließlich 10) beschäftigen sich mit Anforderungen an die gesundheitlich Eignung von Seeleuten, die Überprüfung und den Nachweis der Tauglichkeit, um die physischen und mentalen Belastungen der entsprechenden Dienstaufgabe zu erfüllen. Der Komplex medizinischer Betrachtungen nimmt einen relativ großen Umfang ein.
Empfehlung 11 : Dem Kommandanten der Coast Guard wird empfohlen, die gegenwärtigen Praktiken der VTS-Radio-Kommunikation landesweit bezüglich der Methoden der Kommunikation mit Lotsen während der Lotsung eines Schiffes zu überprüfen. Entsprechend dieser Überprüfung sollte der Kommandant festlegen, ob die Entwicklung einer landesweiten Lotsen - VTS – Kommunikationsstandard - Richtlinie notwendig ist.
Empfehlung 12 : Dem Kommandanten der Coast Guard wird empfohlen, die Fähigkeit der maritimen Untersucher zur Gewinnung und Analyse von VDR-Informationen vorzuhalten. Die Untersucher benötigen Hardware, Software, Grundkenntnisse und Training für die schnelle und effektive Entdeckung von im VDR aufgezeichneten kritischen Ereignissen. Die Fähigkeit zur schnellen Gewinnung und Analyse von VDR – Daten in jeder Untersuchungseinrichtung ist sehr wesentlich für die Vervollständigung der professionellen maritimen Untersuchung.
Welche SCHWERPUNKTE lassen sich aus diesen Empfehlungen erkennen ?
-       Safety Management auf der Cosco Busan
-      Arbeit in der VTS
-      Arbeit von Hafenkapitän und Sicherheitsbehörden
-      Arbeit der Coast Guard
-      Ausrüstung der Lotsen und ihr Qualifikationsstandard
-      medizinischen Überwachung der Tauglichkeit (5 Empfehlungen)
-      Kommunikationsregeln für die Arbeit zwischen VTS und Lotsen
-     Fähigkeiten zur Datengewinnung, zur Analyse und zur Entdeckung kritischer Ereignisse auf der Grundlage von VDR – Daten durch die untersuchenden Behörden.     

 Anmerkung 1 : Hinweise und Empfehlungen bezüglich der Art und Weise der Informationsverarbeitung, der verfügbaren Informationen zum Zeitpunkt ihrer größten handlungsregulierenden Wirkung, der Bedingungen für eine ordnungsgemäße Situationserkennung, des kognitiven Modells des Entscheidungweges und der Ursachen für Fehler in der der Informationsverarbeitung, der veränderbaren technischen und organisationellen Bedingungen im Seegebiet und der Überprüfung der Performance der RACON- Signale unter den spezifischen Bedingungen vor und nach der Brücken-durchfahrt werden nicht abgeleitet.
Der Verfasser hatte in seinem bereits erwähnten Beitrag über den Seeunfall eine Reihe von Maßnahmen, die sich aus dem Unfall ergeben, vorgestellt. Natürlich sind die Empfehlungen der Coast Guard nicht falsch.
Sie sind eigentlich immer richtig; leider aber aus diesem Grunde bezüglich der Ursachen auch unbedeutend. Gemäß der These : Wenn Du Dein Schiff und die See begreifen willst, musst Du Dich selbst erkennen. (Diethard Kersandt) versucht der Verfasser die Hintergründe der Entscheidungsprozesse des Lotsen zu verstehen und, zum wiederholten Male zu fordern, dass sich die Experten für die Unfallanalyse verstärkt der mentalen Seite, dem eigentlich humanorientierten und -bestimmten Hintergrund der Tätigkeit auf der Brücke bei der Informationsverarbeitung, ihren Eigenarten, Schwächen und Stärken beschäftigt.
Die Empfehlungen Nr. 12 weist auf Mängel in der Auswertung und Bewertung von aufgezeichneten Daten hin. Ganz offensichtlich hat die Coast Guard diese Schwachstelle auch bei der Auswertung der Unfalldaten der COSCO BUSAN bemerkt (Empfehlung 12 : ...Grundkenntnisse und Training für die schnelle und effektive Entdeckung von im VDR aufgezeichneten kritischen Ereignissen. Die Fähigkeit zur schnellen Gewinnung und Analyse von VDR – Daten... ist sehr wesentlich für die Vervollständigung der professionellen maritimen Untersuchung). Da kann der Verfasser nur zustimmen; leider kann der Lotse von der angestrebten „Vervollständigung der professionellen maritimen Untersuchung“ nicht mehr profitieren, zumal der Bericht an anderer Stelle den ... an der Untersuchung Beteiligten sowie den technischen Einrichtungen eine gute Arbeit bzw. die ordnungsgemäße technische Funktion... bescheinigt. Der Verfasser erkennt hierin einen deutlichen und inhaltsreichen Widerspruch, der die Ursachenfindung außerordentlich erschwert und bei sorgfältigem Studium der Untersuchungsunterlagen eine Reihe von Fragen aufkommen lässt.
San Francisco-Oakland Bay Bridge RACON-Kennungen markieren die Mittellinie der Hauptfahrwasser unter den primären Brückenbögen. Die empfohlene Durchfahrt für südgehenden (einlaufenden) Verkehr ist die südwestliche Hälfte des Kanals zwischen den Pfeilern A und B; für den nordgehenden (auslaufenden) Verkehr ist es die nordöstliche Hälfte des Kanals zwischen den Pfeilern D und E. Die Breite des D-E-span zwischen den Pfeilern beträgt 2210 Fuß und die Höhe in der Mitte der Durchfahrt 204 Fuß (s.a Bild 20). „Post casualty operational tests of the racons found them all to be on station and working properly. This was confirmed by radar images captured by the VDR onboard the COSCO BUSAN.“

Anmerkung 2 : Der Verfasser kann auf der Grundlage der VDR-Aufzeichnungen / 2 / , diese Aussage nicht bestätigen. Über mögliche Störungen der RACON-Signale hat er in seinem Artikel (Schiff & Hafen, Heft 11 / 2008 bzw. Hansa, Heft 10 / 2008) Ausführungen gemacht.
Ein „post casualty operation test“ mit dem Ergebnis „to be on station and working properly“ ist im allgemeinen nicht unerheblich, in diesem Fall aber nicht relevant. Es kommt überhaupt nicht darauf an, ob die Signale irgendwann vor oder nach dem Unfall richtig arbeiteten, wenn sie unter bestimmten Bedingungen – eben im Moment notwendiger handlungsregulierender Wirkungen – versagten.
Die folgenden Bilder sollen das belegen. Sie sind, soweit technisch richtig erfasst, ein Spiegelbild der objektiven Realität. Das kann eigentlich keine Untersuchungsbehörde übersehen. Zur Interpretation der Daten muss sie allerdings wissen, welche Wirkungen vorhandene oder nicht vorhanden Informationen auf die „innere Modellbildung“ des Lotsen ausüben und welche Handlungsfolgen / Entscheidungen damit verbunden sind.

Bild 1: 08:21:44 (alle Radarbilder aus / 2 /

Bild 2: 08:22:29 (Abstand zur Brücke ca. 1 sm)

Man mag das Safety Management System auf der CB, die mangelhafte Reisevorbereitung, die fehlenden Absprachen zwischen Lotse und Kapitän, die hohe Geschwindigkeit, die Maßnahmen für das Fahren bei verminderter Sicht, die Entscheidung auszulaufen u.v.a.m. kritisieren wie man will, ursächlich für den Seeunfall war das lediglich in zweiter Linie. Die eigentlichen Ursachen liegen viel tiefer : der Lotse hatte einen festen Handlungsplan, der bereits sehr früh an den Einstellungen des Radargerätes abzulesen war : Orientierung mittels Radar, Abstand beim Durchfahren der Brücke VRM = 0,33 sm zu YBI, Fahrwassertonne 1 klar haben, Kurs erst nach BB , dann nach STB ändern, um auf einem Kurs von 313 Grad durch die Mitte des Kanals unter der Brücke hindurch zu laufen; den EBL nutzen, um die demnächst zu steuernden Kurse optisch zu vergegenwärtigen (s. Bild 1, EBL = 264.6 Grad). An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die RACON-Signale (insbesondere „Y“, das die Mitte der Durchfahrt bezeichnen sollte), bei der Zufahrt auf die Brücke nicht sichtbar waren (Bilder 1 und 2).
Der Lotse sucht nach einer Orientierung; er kann den Kurs von etwa 283 Grad nicht weitersteuern : mit der anliegenden grünen „heading- Linie“ und dem Kurs über Grund würde er den Abstand von 0,33 sm nicht einhalten können (der EBL liegt bereits auf 264.6 Grad, dem nächsten beabsichtigten Kurs). Was tun, wenn die Signale nicht sichtbar sind ? (s. Bild 2, ca.1 sm vor der Brücke)
Dazu der Bericht : Nach dem Auslaufen mittels Radar und optischer Beobachtung der Fahrwassertonnen (Sichtweite ¼ sm) erkundigte sich der Lotse um 08:22 nach der Bedeutung der roten Dreiecke auf dem ECDIS – Display. Der Kapitän antwortete, dass sich die Symbole auf der Brücke befänden. ... Der Lotse besaß kein Laptop mit Kartensymbolen und die Besatzung war mit den Symbolen eines ECDIS, das als ECS genutzt wurde, nicht vertraut. Es wäre einfach gewesen, ein Symbol „anzuklicken“ und dessen Bedeutung aus dem ECS zu erfahren.
Und zu den Maßnahmen vor dem Auslaufen gehörten (s. Bericht) : Der 2.Offizier legte eine Seekarte (British Admirality Chart 588 : San Francisco Bay. Golden Gate to Almeda) auf den Kartentisch, die von der vorherigen Besatzung für das Einlaufen verwendet wurde; verifizierte aber weder Wegpunkte noch Kurse. Die ausgehende Kurslinie verlief nicht durch das Zentrum des D-E-span, das durch die RACON- Kennung „Y“ gekennzeichnet ist, sondern war in südwestlicher Richtung von der Mitte versetzt und teilte exakt die Mitte zwischen den RACON-Signalen „B“ und „Y“. Die Breite zwischen „B“ und „Y“ beträgt 0.3 sm. Der Kartenkurs von 313 Grad führt nur 0.05 sm (ungefähr 300 Fuß) nordöstlich vom D-Pfeiler vorbei. Das ist extrem dicht für eine ordentliche Durchfahrt. Während des Einlaufens sah sich der (einlaufend an Bord befindliche Lotse, nicht identisch mit dem Lotsen beim Auslaufen – d. Verf.) Lotse die Karte an und stellte fest, dass die gemeinsamen Kurslinien für das Ein- und Auslaufen zu dicht am D-Pfeiler vorbeiführten. Der Lotse wies die Besatzung darauf hin aber die Kurseintragungen wurden vor dem Auslaufen nicht verändert. Eine Passageplan für verminderte Sicht wurde am Unfalltag nicht erarbeitet, wie es einem SMS entsprochen hätte. Der 2.Offizier trug für das Auslaufen keine Wegpunkte in die ECDIS (ECS) ein, plante die beabsichtigten Kurse nicht, verzeichnete keine „wheel-over“-Punkte oder sonstige Navigations-informationen bzw. Alarme. Laut Anweisung des Kapitäns sollten alle 5 Minuten Schiffsortbestimmungen gemacht werden.
Anmerkung 3 : Mit diesen Informationsquellen konnte der auslaufend tätige Lotse nichts anfangen. Er kannte sie gar nicht, musste nun aber nach BB drehen. Der EBL liegt bereits auf diesem Kurs. Das Schiff näherte sich in 6 Sekunden um ca. 25 m an die Brücke an. Zu weit nach Backbord wollte er aber auch nicht drehen. Er zögerte, die Drehung forzusetzen ( „midships“ ); er musste ja noch nach Steuerbord. Wann konnte er das ?
Aus dem Bericht : Um 08:23:21 gab der Lotse das Kommando „10 degrees port rudder“, um nach Backbord anzudrehen. Um 08:25:30 folgte das Kommando „rudder midships“. Das aber hielt die Backbord-Drehung nicht auf. Um 08:27 fragte der VTS nach der Absicht des Lotsen, da der Kurs über Grund einen Wert von 235 Grad anzeigte. Dieser Kurs verlief etwa parallel zur Brücke und betrug 253 Grad; der Lotse ließ auf 250 Grad, kurz danach auf 245 Grad gehen. Mit 241 Grad hatte die Backborddrehung um 08:26:33 ihren maximalen Wert erreicht, und der Lotse orderte „starboard 10“, „starboard 20“ und um 08:26.54 „engine full ahead“ (Bilder 3 – 6).

Bild 3: 08:22:59

Bild 4 :08:24:14 (Abstand von der Brücke ca. 0,6 sm)

So einfach geht das nicht ! Warum drehte er vorher nicht und nun plötzlich mit „starboard 10“ nach Steuerbord ? Die Situationsfolge bedarf einer näheren Erläuterung. Ein wichtiges, weil handlungsregulierendes Signal erschien zunächst nicht. Auf diesen Umstand aber ging der Coast Guard - Bericht nicht ein.
Zur Einschätzung der Funktion des Radars (s. Bericht) : Nachdem der Lotse an Bord gestiegen war, wurden die notwendigen Informationen mit dem Kapitän ausgetauscht. Das Radar wurde entsprechend den Forderungen des Lotsen justiert; er machte sich mit der Bedienung vertraut. Das Radar wurde nach dem Unfall geprüft und für voll funktionsfähig eingestuft. Die im VDR aufgezeichneten Radarbilder zeigen eine hohe Interferenz und extensive Radarecho-reflexionen. Experten des Radarherstellers stellten viele Beeinträchtigungen des Bildes fest, die aus einer abnormalen Höhe der durch die Besatzung eingestellten Verstärkung resultierten. Eine Absprache des Planes zum Auslaufen, die Kenntnisnahme der Papiereseekarte mit den eingezeichneten Kursen, die Fetslegung der Intervalle zur Schiffsortbestimmung und die Diskussion des Planes des Lotsen mit dem Kapitän erfolgten nicht....
Die Sichtweite in der Bucht war schlechter als die beim Auslaufen. Tonnen 1 oder 2 konnten optisch nicht ausgemacht werden. Als die beiden Tonnen klar waren, versuchte der Lotse, eine Distanz von 0.33 sm zu Yerba Buena Island per Radar zu halten (VRM). Diese Praxis hatte er in der Vergangenheit immer angewendet. Sie würde zu einer Durchfahrt in der Mitte des „D“ - „E“ - span führen. Um 08.24 befand sich die CB auf einem wahren Kurs von 270 Grad nahe querab der Tonne 1 in einem Abstand von 0.33 sm von YBI und drehte nach Backbord (Bild 4). Der Lotse sollte an dieser Stelle ein Drehmanöver nach Steuerbord gemacht haben, um auf einem Kurs von 313 Grad und in einem Abstand von 0.33 sm von YBI etwa in der Mitte des Span „D“ - „E“ die Brücke sicher zu passieren. Der Lotse hätte auch einen Kurs steuern können, der auf RACON „Y“, das im Radar zu sehen war, abgesetzt war.
Anmerkung 4 : Zunächst beträgt der wahre Kurs nach Bild 4 etwa 279 Grad und ist identisch mit dem Kurs über Grund. Nach der Bilddarstellung ist es schwer, sich genau zu dieser Zeit (08:24) eine Kursänderung auf 313 Grad (also 34 Grad nach Steuerbord) vorzustellen. Das hätte wahrscheinlich nicht dazu beigetragen, einen Abstand von YBI von 0,33 sm während der Brückendurchfahrt einzuhalten.
Wir sind an einer der entscheidenden Stellen der Analyse der Coast Guard ! Die im VDR aufgezeichneten Bilder beweisen es : bis 08:26 waren die Racon-Signale nicht sichtbar und verloren damit ihre für den ursprünglichen Handlungsplan des Lotsen so wichtige handlungsregulierende Wirkung ! Ein Absetzen des Kurses auf das Signal „Y“ war unmöglich ! Nach Auffassung des Verfassers hätte um 08:25 die Kursänderung nach Steuerbord energisch eingeleitet werden müssen ! Ein Zeitpunkt, zu dem der Lotse, nicht durch sein unmittelbares Verschulden, orientierungslos war. Erst um 08:26:14 kann man überhaupt davon sprechen, dass das Racon-Signal „Y“ sichtbar war. Nun aber war es für ein Kursänderungsmanöver nach STB schon sehr, wahrscheinlich zu, spät. Aber es trat das ein, was für Mängel in der Informationsverarbeitung (in derartigen kognitiven Prozessen) typisch ist : Erstarrung, Unfähigkeit, die veränderte Informa-tionsbasis zu erkennen und ein neues Modell, einen neuen Handlungsplan, aufzubauen.
Nur eine Handlungsverzögerung von etwa 60 – 70 Sekunden, verursacht im wesentlich durch das Ausbleiben eines handlungsregulierenden Reizes und nicht erkannt oder verdeckt wegen eines schlechten Safety Management, eines ungeeigneten Bridge Team Management, wegen fehlender Absprachen zwischen Lotse und Kapitän, wegen akuten Zeitmangels durch die relativ hohe Geschwindigkeit und andere erwähnte Sachverhalte reichten aus, um das Schiff in die Katastrophe zu schicken. In diesen 60 – 70 s näherte sich die „Cosco Busan“ der Brücke um etwa 1 Schiffslänge.
Die „Oakland Tribune“ vom 13. November 2007 stellte die Frage : "The $100 million question is why did he choose to turn when he did?"
(Quelle : Paul Rogers "UPDATE: Ship transponder data shows Cosco Busan changed course and". Oakland Tribune. Nov 13, 2007. FindArticles.com. 23 Jul. 2008. http://findarticles.com/p/articles/mi_qn4176/is_20071113/ai_n21100810).
Der Verfasser betrachtet diese Frage nunmehr als beantwortet; ist sich aber nicht sicher, ob es nun zur Auszahlung kommt.
„Beobachtungs- und Handlungsstarre
Der Mut zur Handlungskorrektur verliert sich mit dem Grad der Faszination des Handelnden bezüglich der einsetzenden Wirkungsfolgen der von ihm eingeleiteten Vorgänge. Der Nautiker will den Erfolg, will die Bestätigung seines Planes, beobachtet die Lageveränderung anderer Schiffe, schaut auf die Anzeigen seiner Geräte und wartet ab, ob sich alles so einstellt, wie er gedacht hat. Er ist der Dynamik der Veränderungen ausgesetzt, unterdrückt seine Zweifel, verstärkt seine Hoffnungen und Erwartungen. In dieser Phase des Handlungsprozesses werden kaum Korrekturen angebracht. Führt die Handlung letztlich zu einem Erfolg, bleibt sie als solche in Erinnerung, unabhängig davon, ob sie tatsächlich optimal war.“ / 3 / Das objektive Fehlen regulativ unentbehrlicher Informationen führt stets zu Störungen in Struktur und Resultat der Tätigkeit. Ist man nicht richtig oder falsch informiert, kann man nicht das Richtige tun. Fehlen heißt Fehlen zu einem für die notwendige (relevante) Handlung zwingend erforderliche Information in einer Qualitäterfassbarer Reizensembles.
Nutzungsmängel objektiv vorhandener Informationen treten in den typischen Erscheinungsformen auf :

- automatische Reagieren, das bei unvorhergesehenem Wechsel der Bedingungen zum Stereotypisierungsfehler führt (Es ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, dass mit dem Geübtheitsgrad für eine Tätigkeit (den Erfahrungen des Lotsen z.B.) dann die Wahrscheinlichkeit für einen Handlungsfehler steigt, wenn in sie eine zusätzliche Aufgabe oder Verrichtung eingeordnet werden muss.)
- das erwartungsgebundene (einstellungs-, hypothesengebundene) Verhalten, das bei unerwartetem Bedingungswechsel zum Erwartungsfehler führt. Es ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Hypothese ungeprüft beibehalten wird, obwohl Informationen objektiv vorhanden waren, aber nicht genutzt wurden / 6 /.
Aus dem Bericht : Der Lotse hatte festgestellt, dass nach dem Einlaufen in die Bucht das Radarbild sehr gestört wurde und die RACON-Signale und die Brückenpfeiler nicht erkennbar waren als er die Backbord-Drehung eingeleitet hatte, um den geplanten Abstand von 0.33 sm zu YBI zu halten.
„This statement conflicts with the radar images captured by the VDR, which reveal that the radar picture, while not ideal, actuallay improved after the COSCO BUSAN entered the Bay. The bridge and racons were clearly visible, except for a brief period when the bridge return disappeared while the COSCO BUSAN was under the bridge, an occurrence that should have been espected by Captain ...“(Lotse – d. Verf.)
„All Coast Guard aids to navigation were on station and watching properly, and the bridge racon also operated properly.“
Das ist , wenigstens bis 08:26:14, in den Momenten dringenden Handlungsbedarfes, einfach falsch (s. Bilder 5 und 6) ! Und nun werden von der Coast Guard, weil man zu keinen anderen Schlussfolgerungen zu kommen scheint, die gesundheitlichen Probleme des Lotsen und die für möglich gehaltenen Nebenwirkungen der Medikamente für die Argumentation herangezogen. Wie schade !

Bild 5: 08:24:59

Bild 6 : 08:25:44 (Abstand zur Brücke ca. 0,4 sm)

Aus dem Bericht : Es liegen ausreichende Hinweise vor, dass der Lotse ernsthafte gesundheitliche Probleme hat und Medikamente einnimt, die individuell das Potential haben, ihm aus medizinischer Sicht die Befugnis zu verweigern, mit einem von der Coast Guard bescheinigten Zeugnis / Zertifikat zu arbeiten. Der Grad der Wirkung dieser Tatsache auf die Unfallursachen ist unbekannt „ ..., but the multiple examples of impaired sensory perception, impaired cognitive processing, and impaired short-term memory failures by the pilot are suggestive of impaired performance caused by medical and pharmalogical human factors.“
Es ist bekannt, dass diese medizinischen Bedingungen und die Medikamente die menschliche Leistungsfähigkeit merklich herabsetzen und die Fähigkeiten eines Seemannes, ein Schiff sicher zu navigieren, beeinflussen.

Bild 7 : 08:26:14 (08:26:23 „Starboard 10“)

Bild 8 : 08:26:29 (08:26:27 „Starboard 20“)

Anmerkung 5 : In der Tat wäre das alles möglich. In dieser Phase aber trifft die Begründung nicht zu. Sehen wir uns an, wie schnell der Lotse auf Situationsveränderungen reagierte. Das, so meint der Verfasser unter Berücksichtigung der ihm zugänglichen Informationen, weist darauf hin, dass der Lotse durchaus die Situationen erkannte und handlungsfähig war. Um 08:26:14 erscheint das erwartete Raconsignal „Y“ (Bilder 7und 8). Wenige Augenblicke später, um 08:26:23, kommt das Kommando „starboard 10“. Nur 4 s später um 08:26:29 (Bild 8) verstärkt er das Manöver mit „starboard 20“. Und nur 25 Sekunden später ergänzt er das Kursmanöver durch „full ahead“. Einen besseren Beweis für volles Situationsbewußtsein gibt es nicht !
Aber nun kommt ein anderes „menschliches“ Problem in der Informationsverarbeitung hinzu :
„Informationsreduzierung, Kanalisierung der Informationen und Hypothesenbildung
                 Wenn die Schwerpunktbildung „entartet“ und unwideruflich erscheint, ein Ziel überbetont und andere Ziele vernachlässigt werden, wird sich die Modellbildung ausschließlich am „selektierten Ziel“ orientieren, der Nautiker wird eng strukturierte Hypothesen aufstellen und dann nicht mehr in der Lage sein, von diesen abzuweichen, unabhängig davon, ob sie eintreffen oder nicht. Informationen werden nicht mehr bewertet, sortiert und beachtet, sondern danach abgesucht, ob sie in das eingangs gefundene Modell hineinpassen oder nicht. Passen sie nicht, werden sie verworfen oder so interpretiert, dass sie „passfertig“ erscheinen. Diese menschliche Eigenschaft „Verdrängen des Unbehaglichen“ ist die Ursache vieler Fehlhandlungen an Bord.....“ / 3 /.

Werden die angebotenen Informationen beim Orientieren falsch genutzt, kommt es zur Entwicklung bzw. Aktivierung situationsunangemessener Aktionsprogramme. Diese können zu Fehlhandlungen führen.
                     Es werden bei der falschen Nutzung also auch Prozesse des Entwerfens von Aktionsprogrammen, deren Einordnung in die aktuellen Bedingungen und Entscheidungsvorgänge angesprochen.
Wesentliche Formen sind :
                              Fehlidentifikationen entstehen unter schwellnahen, d.h. umgebungs- und/oder subjektiv erschwerten Wahrnehmungsbedingungen auch dadurch, dass die Identifikation auch dann erfolgt, wenn das Signalspektrum nicht vollständig ist und Fehlendes ergänzt wird. Allerdings werden dann objektiv ähnliche und nur im kritischen Detail unterschiedliche Zustände nicht mehr unterschieden.
                            Zum Erwartungsfehler 2.Art kommt es dann, wenn durch statistische Regelhaftigkeit und den Reizkontext das Auftreten oder der Fortgang von Ereignissen wahrscheinlich ist und erwarten lassen. In diesem Zustand auftretende Ereignisse werden nicht mehr so differenziert aufgenommen und das reduzierte Signalspektrum wird einem erwartetem klassenzugehörigen Sachverhalt zugeordnet und damit fehlaufgefasst. / 6 /
Was beabsichtigt er ? Er will seinen Handlungsplan durchsetzen und vergisst möglicherweise dabei, dass die Manöver etwas zu spät kommen. Zweifel am „Kurzeitgedächtnis“ und gestörte „Empfangssensoren“ sind hier jedenfalls nicht zu beweisen. Und die Cost Guard schreibt selbst : („... that may have affected ...“) und ist sich damit nicht sicher, ob es zur Ereigniszeit überhaupt eine solche Wirkung gegeben hat.
Noch ein Problem kommt hinzu : Ab 08:27:24 beginnt der VTS-Operator nach dem Kurs des Schiffes und den Absichten des Lotsen zu fragen. Gerade in diesem Moment der Störung der Denkprozesse des Lotsen tritt etwas ein, was ihn offenkundig ganz durcheinander bringt und seinen Orientierungspunkt verschwinden und einen anderen erscheinen lässt : das Signal „Y“ ist nur noch sehr fragmentarisch und für einen kurzen Moment zu sehen, aber das zweite RACON-Signal „B“ kommt relativ klar und deutlich hervor (Bilder 9 bis 12). Der Lotse kann diese Änderung nicht klar definieren.
Aus dem Bericht : „Thus, it is unlikely that the VTS's report would have caused confusion.“
Anmerkung 6 : Natürlich, nicht der Bericht allein hat den Lotsen durcheinander gebracht. Die Gesamtheit der Umstände war es : Orientierungsverlust durch RACON-Signalwechsel, keine Sicht, Drehmanöver, „falsche Mitte“ usw. Man sollte wenigstens in Betracht ziehen, dass diese Kommunikation zwischen VTS und Lotsen nicht gerade sensibel war. Und in den Empfehlungen 3, 4 und 11 stehen deshalb ja auch diesbezügliche Bemerkungen für die weitere Verbesserung der Kommunikation. Warum eigentlich ? In der Zusammenfassung Nr. 26 wird ausgeführt : ... Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Verfehlungen jedweder Art, Inkompetenz, Nachlässigkeit, mangelnde Professionalität und / oder eine wissentliche Verletzung von Rechtsvorschriften irgendeines Offiziers, Beschäftigten oder Mitglied der Coast Guard zu den Ursachen des Unfalles beigetragen hätte. ...
Aus dem Bericht :
... Während des Gespräches mit dem VTS verließ der Lotse das ARPA-Radar, weil es angeblich gestört war und schaute auf das ECDIS Display. Danach beklagte der Lotse, dass das Radarbild plötzlich bei ¾ Seemeile unklare Anzeigen von YBI und den RACON- Signalen aufwies.Wiederum widersprechen hier die vom VDR aufgezeichneten Radarbilder den Reklamationen des Lotsen.
... Der Lotse wandte sich um 08:28 dem ECDIS – Display zu und fragte den Kapitän zum zweiten Mal, ob die die roten Dreiecke das Zentrum der Brücke markieren. Der Kapitän bestätigte : „yeah, yeah“.
Eine höcht ungewöhnliche wiederholte Frage für einen Lotsen innerhalb von 6 Minuten. Es scheint so, dass der Lotse nach der Mitte des Kanals fragen wollte aber vom Kapitän so verstanden wurde, als ob er nach der geografischen Mitte der Brücke fragen würde. ...
... Ein durch 27 Berufsjahre erfahrener Lotse sollte es nicht nötig haben, den Kapitän nach der Mitte des Kanals zu fragen oder ihn bei der Interpretation von Seezeichen in der ECDIS um Unterstützung zu bitten. Das mag ein Beispiel für eine verminderte Wahrnehmungsleistung sein, ist aber nicht mit mangelnder Erfahrung zu erklären. Da er die gleiche Frage nach der Bedeutung der roten Dreiecke bereits einige Minuten vorher gestellt hatte, könnte das auf einen Mangel im Kurzzeitgedächtnis oder auf ein totales Durcheinander in diesem Augenblick hinweisen.
Da die Tonnen in der Tat in der Nähe der geografischen Mitte der Brücke liegen, ist die Auskunft des Kapitäns im Sinne einer bejahenden (affirmativen) Antwort auf die gestellte Frage des Lotsen aufzufassen und muss als korrekt bezeichnet werden.Nach dieser Bestätigung durch den Kapitän gab der Lotse das Kommando „rudder hard starboard“.
... „The „Y“ racon, marking the mid-channel of the Delta-Echo span, was clearly visible on the ARPA Captain ... (der Lotse – d. Verf.) had been using before moving a few steps to his right to the ECDIS display.“
Anmerkung 7 :
Nein, die vom VDR aufgezeichneten Radarbilder widersprechen nicht den Reklamationen des Lotsen ! Auch dieser markante „Lesefehler“ der Coast Guard lässt an der Fähigkeit der Interpretation der Bilder Zweifel aufkommen : Bei der Auswertung der im VDR aufgezeichneten Radarbilder (s. Bilder 9 – 12) wird der Wechsel des angezeigten Racon-Signals von „Y“ auf „B“ überhaupt nicht erkannt. Natürlich war im Zeitraum von etwa 08:26 bis 08:28 ein Signal „clearly visible“, doch nun war es das falsche, an dem der Lotse seine Manöver orientierte. Natürlich hatte der Lotse mit seiner Beobachtung Recht, dass das Radarbild plötzlich bei ¾ Seemeile unklare Anzeigen von YBI und den RACON- Signalen aufwies. Aus diesem Grund blieb ihm gar nichts anderes übrig als wiederum nach der „Mitte“ zu fragen. Warum hatte er in dieser Phase denn die Übersicht verloren ? Das von der Coast Guard angezweifelte Kurzzeitgedächtnis oder das totale Durcheinander des Lotsen waren sicher nicht der Grund. In Bild 13 verschwindet auch das Racon -Signal „B“.
Im Bericht wird die Konfusion erwähnt :
... Um 08:27:33 fragte der VTS -Operator nach den Absichten des Lotsen. Laut AIS-Informationen lag das Schiff auf 235 Grad. Der Lotse antwortete, dass er „rum ginge“ und gerade in diesem Moment 280 Grad steuere. Die im VDR aufgezeichneten Daten zeigen allerdings einen Kurs am Kreisel von 268.8 Grad. Die widersprüchlichen Angaben zeugen davon, dass der Lotse von den Informationen des VTS überrascht war und merklich die Übersicht (situational awareness) verloren hatte. Ab 08:28:42 folgten mehrere Ruderkommandos in kurzen Abständen : „midships“, „starboard 20“ und um 08:29:01 wieder „hard starboard“. Um 08:30 berührte die COSCO BUSAN den „Delta – Tower“.

Bild 9 : 08:26:44 (08:26:54 „Full ahead“)


Bild 10 : 08:27:14 (08:27:24 VTS : „unit romeo traffic“)

Bild 11 : 08:27:29 (08:27:37 „ease to ten“)

Bild 12 : 08:27:44 (08:27:45 bis 08:27:57 Kommunikation Lotse mit VTS / Kurs und Absicht ?); Abstand zur Brücke ca. 0,3 sm

         Bild 13 :08:28:14 (08:28:13 „hard starboard“

Bild 14 : 08:32:44 (Raconanzeige relativ gut)

Anmerkung 8 : In Bild 14 wird ein Signal relativ gut angezeigt : RACON „Y“; die Entfernung beträgt etwa 0,3 sm. In den Bildern 15 und 16 sind alle Raconsignalanzeigen in einem etwa gleichen Abstand bei Annäherung an die Brücke verschwunden.

Bilder 15/16 : 08:35:59 und 08:36:14 (keine Raconanzeige)

In dem bereits erwähnten Artikel des Verfasssers sind Aussagen zu möglichen Störungen im Bereich von etwa 0,5 sm Abstand zwischen Sender und Empfänger enthalten.
Die Aussagen betreffen nicht die allgemeine Qualität der Anzeigen auf dem Radargerät an Bord.
Unter dieser Bedingung sollte aber die Einschätzung des Herstellers bezüglich der Sichtbarkeit des RACON-Signals auf dem Radarbild von 16:25 und die Güte der anderen aufgezeichneten Radarbilder doch noch einmal kritisch überprüft werden. Auf Fragen zu diesem Gegenstand antwortete der Vertreter der Herstellerfirma in einer öffentlichen Anhörung beim NTSB bei freier Wahl der Möglichkeiten zwischen „poor“, „fair“, „good“ und „excellent“ nicht ganz unerwartet : „EXCELLENT“. / 4 /
Dieser Bewertung kann sich der Verfasser totz der bekannten, im allgemeinen guten Qualität der Produkte nicht anschließen.
Aus dem Bericht :
Kapitän und Decksoffiziere waren nur unzureichend mit den Verfahren des Safety Management vertraut. Das SMS an Bord beinhaltet zwar Prozeduren beim Navigieren unter verminderter Sicht, enthält aber keine Anweisungen bezüglich des Ortungsintervalls, um die Bahn des Schiffes zu kontrollieren und einzuhalten. Einige der kontrollierten Checklisten entsprachen nicht den Anforderungen; teilweise wurden sie nach dem Unfall ergänzt und unterschrieben. ... Die nationalen Navigationsvorschriften enthalten klare Regeln zur sicheren Geschwin-digkeit (Regel 6), zum Ausguck und zu Maßnahmen der Kollisionsverhütung (Regel 5) und zur „rule of good seamanship“ ( Regel 2), wie sie allgemein bekannt sind. Dabei spielen Sichtweite, örtliche Situation, Wassertiefe, Manövriereigenschaften, Gebrauch des Radars, Strom u.a.m. eine wichtige Rolle. Alle diese Dinge wurden zwischen dem Lotsen und dem Kapitän vor dem Auslaufen nicht besprochen.
Alle nachträglich vorgebrachten Argumente des Lotsen hinsichtlich der hohen Geschwindigkeit bei der vorhandenen Sicht und den Einwirkungen des Stromes sind unwesentlich, da die beste Entscheidung gewesen wäre, an der Pier liegen zu bleiben.
Langsamer zu fahren, hätte einfach mehr Zeit für die Entscheidungsfindung und Problemlösung gebracht.
Es gibt ernsthafte Anzeichen dafür, dass Erscheinungen von Inkompetenz, Nachlässigkeit und / oder ein Mangel an Professionalität des Lotsen zu den Ursachen des Unfalls beigetragen haben.
Anmerkung 9 : Ja natürlich ! Alles das ist richtig und lässt hoffen, dass bei ähnlichen Bedingungen ein derartiger Unfall zukünftig vermieden werden kann. Ursächlich für diesen Unfall war das aber nicht allein ! Auch hier darf man nicht an den Mängeln der Informationsverarbeitung vorbeisehen :

„Übersehen der Spezifik durch Anwendung unzulässiger Verallgemeinerungen
                        Immer wieder erlebte Situationen mit etwa gleichen Eigenschaften (z.B. ein Schiff unter immer ähnlichen Bedingungen durch eine Brücke bringen), für deren Bewältigung das Mittel EBL = 310° und VRM = 0,33 sm) stets erfolgreich war, führen zu einer sehr vereinfachten und verall- gemeinerten Modellbildung mit nicht weiter zu überprüfenden Problemlösungen. Diese, im positiven Sinne ausgedrückt, Erfahrungen, bewähren sich sehr häufig und reduzieren den „Denkaufwand“. Sie bergen aber auch die Gefahr in sich, bei veränderten Bedingungen trotz widersprüchlicher Anzeichen angewendet zu werden. Erst bei funktionierender Rückkopplung wird bemerkt, dass in einem speziellen Fall (die Radaranzeigen sind fehlerhaft und die optische Sicht ist sehr gering) die bisherige, durch Erfahrung verallgemeinerte Lösung unwirksam ist oder zum Gegenteil führt (das Schiff wird durch die „falsche Mitte“ geführt). Wird die Problemlösung aber unter veränderten Be- dingungen eher kritisch betrachtet, ist die Entdeckung von Abweichungen wahrscheinlicher.Für die Tätigkeit der Lotsen auf immer wieder anderen Schiffen mit stets sehr unterschiedlicher technischer Ausstattung ist anzumerken, dass die Anwendung ihrer Revierkenntnisse in Verbin- dung mit ihrem Vorwissen immer wieder einer Überprüfung bedarf, ob es in dieser speziellen Situation anwendbar oder wie es zu modifizieren ist.“ / 3 /.

Bild 18 : Coast Guard – Foto des ECDIS Display der „Cosco Busan“ mit den zwei roten Dreiecksymbolen zu jeder Seite des Pfeilers „ DELTA“, die diesen Brückenpfeiler markieren. Die RACON Symbole auf der Brücke sind gut sichtbar. Die eingezeichnete Linie gibt den AIS-basierten Track des Schiffes wieder.

Bild 19 : Coast Guard – Bild (Office of Information Resources), angefertigt nach AIS-Track; hier besonders der Weg vom Leuchtonnenpaar 5 und 6 (rechte Bildseite) nach Leuchttonne 1 (links, halb oben) ; Ortszeit = GMT – 8 Std.)

Bild 20 : Coast Guard – Bild (Office of Information Resources), angefertigt nach AIS-Track; hier besonders der Weg von Leuchtonne 1(rechts, halb oben) bis hinter die Brücke, nach der Berührung (Ortszeit = (GMT – 8 Std.)

Zusammenfassung


Der Verfasser hat selten einen Seeunfall analysiert, in dem menschliches Versagen so offensichtlich zu beobachten und durch Dokumente zu belegen ist. Es ist aber nicht das fast immer festgestellte Versagen, das aus Versäumnissen, überheblichem Gebahren, Selbstüberschätzung, Mangel an Aufmerksamkeit, schlechter Organisation, Leichtsinn, mangelnder Erfahrung, einer „nicht den Umständen entsprechenden Geschwindigkeit“ usw. abgeleitet wird.
Bei diesem Unfall wird durch die hohe Qualität der aufgezeichneten Radarbilder und der Kommunikation auf der Brücke eine Beweisführung der Mängel in der Informationsverarbeitung möglich. Es lässt sich erkennen, welchen Plan der Lotse verfolgte, welche Mittel er einsetzte, wann und wie handlungsregulierende Informationen vorlagen oder nicht und wie das die kognitiven Vorgänge bei der Situationsanalyse mit nachfolgenden Handlungen oder Unterlassungen beeinflusst hat.
Der Fall hat insbesondere in der amerikanischen Öffentlichkeit großes Aufsehen erregt. Letztlich aber ließ der Bericht der Coast Guard den eigentlichen Hintergrund für das Fehlverhalten von Lotse und Kapitän nicht erkennen.
Der Verfasser hält alle Empfehlungen des Berichtes für geeignet, die Arbeit der verschiedenen Institutionen zu verbessern. Sie sind eigentlich immer richtig.
Leider schwebt nach wie vor eine latente Gefahrenquelle über der Bucht von San Francisco. So werden Empfehlungen bezüglich der Verbesserung des Informationsangebotes und der Kenntnisse über menschliche Leistungseigenschaften in der Informationsverarbeitung nicht erwähnt. Immer wieder können Menschen auf diese Weise in die „Falle“ fehlerhafter oder falscher Informationsverarbeitung bzw. des Fehlens objektiv notwendiger Informationen laufen.
Heute dürfen sich die Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit der Seefahrt nicht auf die eine oder die andere Komponente eines Systems konzentrieren. Schiffsführung muss verlässlich werden und das bedeutet das funktionsgemäße Zusammenwirken von Mensch und Maschine in seiner Gesamtheit. Seeunfalluntersuchungen müssen sich aus diesem Grunde mit dem gesamten humanbestimmten Hintergrund menschlicher Informationsverarbeitungsprozesse beschäftigen und die interdisziplinäre Zusammen-arbeit mit Psychologen und Arbeitswissenschaftlern suchen.
Die Ursachenanalyse „Cosco Busan“ weist auf die Wichtigkeit hin, in der Ausbildung, im Training und in der Forschung verstärkt das „Funktionieren des Nautikers“ auf der Brücke im Zusammenspiel mit den technischen Systemen zu vermitteln bzw. zu erforschen.
Erst wenn Menschen wissen, wie ihre kognitiven Stärken und Schwächen in der Informationsverarbeitung beschaffen sind, wird es gelingen, bewusst und planmäßig technische und personelle Hilfen (dazu gehört auch das Bridge Resource Management) für die Erhöhung der Verlässlichkeit zu fordern, zu entwickeln zu akzeptieren und einzusetzen.
Es gehört zu den Besonderheiten und Vorzügen des Menschen, aus Fehlern lernen zu können. Bedingung dafür aber ist, dass er sie kennt !
Wenn Du Dein Schiff und die See begreifen willst, musst Du Dich selbst erkennen. (Diethard Kersandt)

LITERATUR:
/ 1 / - : United States Coast Guard : REPORT OF INVESTIGATION INTO THE ALLISION OF THE COSCO BUSAN WITH THE DELTA TOWNER OF THE SAN FRANCISCO-OAKLAND BAY BRIDGE IN SAN FRANCISCO BAY ON NOVEMBER7, 2007Nr. 16732, March 02 – 2009
/ 2 / - : NATIONAL TRANSPORTATION SAFETY BOARD, Vehicle Recorder Division, Washington, DC 20594 / April 4, 2008. - GROUP CHAIRMAN’S FACTUAL REPORT OF INVESTIGATION, Voyage Data Recorder (VDR) Audio Transcript, DCA08MM004)
/ 3 / Kersandt, D. : „Der Nautiker im Risikoprozess Schiffsführung“ – Die blaue Reihe / Band 1-5; 455 Seiten, 300 Abbildungen, 41 Tabellen; abgeschlossenes Manuskript, Rostock / Hamburg 2008
/ 4 / - : UNITED STATES OF AMERICA . NATIONAL TRANSPORTATION SAFETY BOARD . OFFICE OF ADMINISTRATIVE LAW JUDGES / PUBLIC HEARING IN CONNECTION WITH THE INVESTIGATION OF THE ALLISION / Docket No.: DCA-08:-MM-004 / OF THE M/V COSCO BUSAN WITH THE SAN FRANCISCO-OAKLAND BAY BRIDGE NOVEMBER 7, 2007).
/ 5 / Kersandt, D.: Containerschiff „COSCO BUSAN“ - Berührung mit dem „Delta Tower“ (D) der San Francisco - Oakland Bay Bridge auf der Überfahrt von Liegeplatz Nr. 58 im Port of Oakland nach Busan, South Korea. - Rekonstruktion des Seeunfalles und Untersuchung von Informationsmängeln als Ursache für Fehlhandlungen des Lotsen
Der Bericht wird ergänzt und erläutert durch die Präsentationenen (etwa 200 ppt. Slides):
REKO_Radar_1 : Eine Radarbildfolge aus dem VDR in etwa Echtzeitablauf
REKO_Gesamt_1 : Ablaufrekonstruktion und Analyse vom Auslaufen bis zum Zeitpunkt 08:26
REKO_Gesamt_2 : Ablaufrekonstruktion und Analyse von 08:26 bis zur Brücke und Darstellung der Informationsmängel
/ 6 / Kersandt, D. : Der Nautiker im Risikoprozess Schiffsführung – Studiemmaterial für Training und Praxis : „...blaue reihe“, Hefte 1 – 5 :( 1 ) Schiffsführung : Charakter, Definition, Probleme, Tätigkeitsmerkmale; ( 2 )Human Error, Fehlhandlungen,Informationsmangel, Seeun- fallanalyse; ( 3 ) Erkennung und Bewertung von Gefahren; ( 4 ) Situationseinschätzung : praktische Beispiele; ( 5 ) Training und Kompetenzbewertung. - Rostock, 2009;


Nachsatz : Kurz nach Fertigstellung dieses Beitrages war dem Autoren über das Internet ein Zugriff auf den Abschlussbericht des NTSB möglich. (Accident Report, NTSB/MAR-09/01, National PB2009-916401, Transportation Safety Board Notation 7976B/C, Adopted February 18, 2009 : “Allision of Hong Kong‐Registered Containership M/V Cosco Busan with the Delta Tower of the San Francisco–Oakland Bay Bridge” ; San Francisco, California; November 7, 2007).
Der Bericht bestätigt die bereits durch die U.S. Coast Guard festgestellten Hergänge, Ursachen und Empfehlungen. Das war zunächst nicht überraschend. Und so bleibt es auch bei den gegensätzlichen Auffassungen :

„The pilot said that, as the vessel made this turn, the radar image became “distorted” to the extent that he could not identify the bridge piers. The pilot also said that he did not see on the radar display the signature of the RACON at the center of the Delta– Echo span. The accident investigation later determined that the RACON was working and that its identifier was being displayed regularly. The pilot said that he decided the radars were not reliable.”
bzw.
“Examination of radar images captured by the VDR showed that the RACON positioned at the midspan of the Bay Bridge between the Delta and Echo towers was broadcasting the correct Morse code designator before and after the allision. Before the allision, neither the Coast Guard nor Caltrans had received reports of a malfunction of the RACON, and postaccident inspection confirmed that the RACON was operating properly.”

Der Verfasser hat anhand der VDR-Aufzeichnungen belegt, dass die Bewertung des Sachverhaltes durch die Untersuchungsbehörde nicht den objektiv nachweisbaren Tatsachen entspricht. Der Verfasser bemängelt insbesondere die herangezogenen Ursachen für den Unfall, insbeondere : “The National Transportation Safety Board determines that the probable cause of the allision of the Cosco Busan with the San Francisco–Oakland Bay Bridge was the failure to safely navigate the vessel in restricted visibility as a result of (1) the pilot’s degraded cognitive performance from his use of impairing prescription medications, …”

Er fand seine Zweifel an der Qualität und Tiefgründigkeit der Ursachen-ermittlung nunmehr voll bestätigt durch ein ungewöhnliches Board Member Statement durch sein Mitglied Deborah A. P. Hersman.

Sie führt aus : “ Our own staff of marine experts was so divided about certain issues in this investigation that a group of them submitted to the Board their own dissent to the final draft report. As a Board member, I have my own disagreement about certain aspects of this accident report, to the point that I have taken the unusual step of voting against it.”

Zunächst stimmte sie mit der Bewertung der Rolle des Kapitäns und des VTS nicht überein. Das soll im Zusammenhang mit dem Beitrag des Autors nicht näher erläutert werden.
Dann ging sie auf Fehler der Coast Guard ein :

“Further investigation by NTSB and other entities also was hampered by critical errors by the Coast Guard marine casualty investigators in their post-accident response.

• The investigators failed to secure and test critical equipment on the bridge of the vessel compromising the chain of custody in the investigation.

• They did not recognize that the Cosco Busan had a VDR, nor did they ask for a copy of the VDR information, jeopardizing the retention of critical evidence in the accident
investigation. It was not until NTSB investigators arrived four days post-accident and
asked Fleet Management about the VDR was that information retrieved and secured.”

Und dann folgt ein Appell :
“A subsequent investigation and report by the Department of Homeland Security Inspector General (OIG-08-38, April, 2008) found that the level of training and experience of the marine casualty investigators, as well as the inadequate job aids supplied to them by the Coast Guard, “contributed to the deficiencies in collecting and preserving the evidence related to the mishap.”
It cannot be stressed enough that the Coast Guard’s initial inaccurate assessment of the magnitude of the spill, which delayed bringing the NTSB into the investigation, had a deleterious effect on this investigation. Opportunities to establish certain facts were lost. The Coast Guard’s failure to carry out its post-accident responsibilities in a timely and thorough fashion made the NTSB investigators’ job much more difficult and the results less than satisfying. There is an important lesson here for future marine accidents in which we share a response with the Coast Guard. I believe that our report, by not reaching some of these findings about Coast Guard’s failures in this accident response, is missing a golden opportunity to make future marine investigations more productive.”

Und sie fasst zusammen :

“Three issues in this investigation motivated me to vote against the final report and file
this dissent:
the absence of VTS from the probable cause, the prominence of the master in the probable cause, and the myriad of errors by Coast Guard San Francisco.
Although I accept that my single vote against the final report will not prevent its issuance by the Board, I will continue to view the report as a regrettable missed opportunity to thoroughly address marine safety issues that I expect we will see again.”

Der Verfasser schließt sich dieser Einschätzung über die „myriad of errors by Coast Guard“ an und meint, er findet sie in seiner kritischen Analyse bestätigt und würde sie durch seine detaillierten Untersuchungen unterstützen.
Die Aussagen und Widersprüche bezüglich der Hintergründe für die kognitiven Leistungen des Lotsen sind sehr groß. Bezüge des Berichtes zur Qualität der RACON-Anzeigen einschließlich der IMO – Regularien gibt es fast gar nicht. Der Verfasser hat gerade diesen Aspekt einer komplexem Wirkungskette ausführlich untersucht und dargestellt. / 5 /
Wenn das NTSB den Lotsen so charakterisiert :

“The pilot assigned to the Cosco Busan was one of the most experienced of the San Francisco Bar pilots. During his 26 years of service, he had made thousands of successful trips, navigating a variety of vessels in a variety of weather and sea conditions in San Francisco Bay.
He had successfully completed all of the training required of San Francisco Bar pilots, training that addressed the skills and the knowledge appropriate for San Francisco Bar pilots”,

dann sollte man diesem Mann die Chance einer neuen Untersuchung bzw. Bewertung der Beweismittel geben ! Er sollte keinesfalls unter der Qualität der Ermittlungen leiden !

                                                                           
Ergänzung 1 : „Zur Qualität der Radarbilder“  (Alle Bilder aus / 2 / )


Radarbilder sind in Intervallen von etwa 15 Sekunden ab 15:00:15 im VDR verfügbar. Zunächst war der 3 sm – Bereich eingeschaltet. Nach Abb. 1 ist die Brücke gut erkennbar. Racon-Signale erscheinen bei einem Abstand von etwa 2 sm nicht.

Abb. 1  15:00:15 (Bereich : 3 sm); ohne Racon-Signale

Abb. 2  15:29:44; wenig später wurde auf den 1.5 sm – Bereich umgeschaltet.

Der Bericht enthält keine Erklärung, warum in den vergangenen 30 Minuten (von 15:00 bis 15:30) nicht ein einziges Mal ein Racon-Signal sichtbar wurde, obwohl das Signal im 3 sm –Bereich zu sehen sein musste. Das ist auch nicht mit Störungen bzw. schlechter Einstellung des Radarbildes zu erklären, denn es wurden sogar kleine Fahrzeuge probeweise mitgeplottet.
Ab 15:30:14 lief das Radar im 1.5 sm – Bereich.
Auch um 15:36:44 und 15:36:59, als der Lotse kurzzeitig auf den 3 sm – Bereich umschaltet, wird keine Racon-Signal sichtbar.
Der Zeitraum bleibt von 15:38:29 bis 15:44:14 im 3 sm – Bereich ebenso ohne sichtbares Racon-Signal. So konnte der Lotse mit größter Wahrescheinlichkeit das Signal in etwa 45 Minuten nicht ein einziges Mal erkennen.

Die Bildanzeigen im 1.5 sm – Bereich sind über den gesamten Zeitraum nicht zu beanstanden (s. Abb.3) von 16:03:14 als Beispiel.

Abb. 3  16:03:14 Gute Radaranzeige im 1.5 sm –Bereich (vor dem Auslaufen)


Das Schiff ist zwischenzeitlich ausgelaufen; der 1.5 sm – Bereich wird beibehalten, nur um 16:14:44 erscheint einmal der 3 sm – Bereich (ohne Racon –Signal auf der Brücke).

Ab 16:20 (:14) ist die Brücke gut im 1.5 sm – Bereich sichtbar; das Racon-Signal „Y“ müsste zu sehen sein. HDG und COG sind identisch; VRM liegt aud 0.33 sm; BRG ist auf 264.6°, den nächsten Kurs, eingestellt (Abb. 4).

Abb. 4 16:20:14 (Racon-Signal „Y“ nicht sichtbar)


Um 16:23:14 scheint das Racon-Signal „Y“ erstmalig (einseitig nach Westen zeigend) sichtbar zu sein. Um 16:23:21, also (fast sofort) 7 s nach Erscheinen, reagiert der Lotse mit „Port 10“, da er mit dem HDG bzw. COG so nicht weiterlaufen kann, wenn VRM = 0.33 eingehalten werden soll (Abb. 5).

Abb. 5 16:23:14; das Racon-Signal „Y“ erscheint erstmalig

Doch um 16:23:44 ist das Signal wieder verschwunden; das Schiff aber hat die BB-Drehung eingeleitet (Abb. 6).

Abb. 6 16:23:44; das Signal ist wieder verschwunden

Das Schiff dreht nach BB. Um 16:24:29 erscheint das Racon-Signal noch einmal. Die BB-Drehung könnte verstärkt werden, da mit HDG bzw. COG der geplante VRM = 0.33 sm nicht realisierbar erscheint (Abb. 7).

Abb. 7  16:24:29; das Racon-Signal ist noch einmal aufgetaucht
Aber wenige Sekunden später (16:24:44) ist es für eine Orientierung nicht mehr sichtbar. (Abb. 8)

Abb. 8  16:24:44; und wieder ist das Racon-Signal verschwunden

Der EBL zeigt immer noch auf den lange geplanten Kurs : 264.6 °.
HDG ist bereits bei 270.7 °; es fehlen nur noch wenige Grade.
Unstrittig ist nach Auffassung des Autors, dass hier eine intensive Kursänderung nach Steuerbord hätte erfolgen müssen, wie es ebenfalls ursprünglich geplant war. Aber wohin soll der Lotse sich jetzt orientieren ? Kein Mensch fährt gegen eine „geschlossene“ dicke Wand ! Der Lotse ist unsicher.

Wertvolle Zeit vergeht. Um 16:25:29 (30 s spätere) lässt der Lotse das Ruder „midships“ legen. Er hat bereits weit über den von ihm beabsichtigten Kurs hinausgedreht (beabsichtigt : s. EBL = 264.6° und HDG = 253.5°) (Abb. 9).

Abb. 9 16:25:29 „midships“; aber wann nach Steuerbord ? Ein Signal ist nicht zu sehen.

16:25:59 – die Zeit läuft davon; wann soll er drehen ? Und: woran soll er sich orientieren ? Am Racon-Signal nicht – das wird nicht angezeigt. Gut sichtbar sind allerdings die beiden Tonnen am Pfeiler „D“, die „roten Dreiecke“ nach der ECDIS (Abb. 10).

Abb. 10 16:25:29

Aber nun ! 16:26:14 – das Racon-Signal muss wie eine „Erlösung“ für den Lotsen sein ! Jetzt aber sofort, wie geplant (!) darauf zudrehen ! (Abb. 11).

Abb. 11 16:26:14 Und das ist die „Falle : das Signal erscheint.


Die Kommandos überschlagen sich : 16:26:23 „starboard 10“. Der EBL liegt auf 285°; dort muss er hin ! 16:26:37 – „starboard 20“. 16:26:54 „full ahead“ ! Aber für die Kursänderung ist es gut 60 Sekunden zu spät ! Das aber erkennt der Lotse wegen der „in Erfüllung gegangenen Erwartung“ nicht mehr. Der COG von 255° zeigt bereits auf den Pfeiler „Delta“ (s. Abb. 11).


Der Verfasser hat sich bereits an anderer Stelle über diesen markanten Fehler in der Informationsverarbeitung geäußert. Die Wirkung des handlungsregulierenden Reizes ist so groß, dass sie andere kognitive Vorgänge verdrängt. Ganz eindeutig ist man hier auf eine Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit und menschlicher Leistungseigenschaften gestoßen, deren Ursachen durch das ausbleibende Racon-Signal provoziert und durch Mängel in der Reisevorbereitung und im Bridge Team Management nicht mehr überdeckt werden konnten.

Wäre das Racon-Signal wie um 16:32:29 in dieser Qualität vor der Brücke sichtbar gewesen, hätte es wahrscheinlich keine Probleme gegeben (Abb. 12).

Abb. 12 16:32:29 Gute Qualität der RACON-Signalanzeige nach der Brücke

Auch um 16:34:29 ist das Signal gut sichtbar (Abb. 13). Warum aber nicht auch vor der Brücke ? Der Bericht gibt darauf nur die bekannten Antworten : sowohl das Radargerät als auch die Anzeige und Funktion der RACON-Signale waren nicht zu beanstanden, sie waren über den gesamten Zeitraum „excellent“.

Abb. 13 16:34:29 Gute Radaranzeige mit sichtbarem Racon-Signal nach der Brücke


Ergänzung 2 : IALA -Empfehlungen (Auszüge)

IALA Recommendation R-101
On Marine Radar Beacons (racons)
Edition 2, Dec. 2004
Previous Editions:
· R-101 issued January 1995
· R-101r1 issued December 2000

(Quelle :

http://www.tidelandsignal.com/web/information/IALA/Recommendations/R-101-Ed2-2004.pdf )

“2. General



3. To avoid unnecessary radar screen clutter, racons should be programmed with OFF periods. To prevent processing circuits in radars from rejecting the racon signal, ON periods should be no less than fifteen seconds. To maintain an adequate update rate on the display, there should be at least one ON period in every sixty seconds, unless there are special operating requirements.

4. Racons should be fitted with side- lobe suppression.

5. Coding of racons should be in accordance with international recommendations (Ref. IMO Resolution A.615(15)).

6. Racons emit microwave radiation. Installation and service personnel should be properly trained for working with microwave equipment. Authorities should ensure that the racon installation is safe according to local laws. However, it should be noted that a racon’s effective radiated power is quite low and that safe installations usually do not require any special effort....

2.1.2.7 Bridge Marking

A racon can be used to indicate the navigable channel under a bridge by placing it above the best point of passage (IALA Recommendation O-113, For the marking of fixed bridges over navigable waters, May 1998).
Although bridges crossing fairways are usually clearly recognizable on a radar display, channel boundaries or bridge piers are seldom displayed so clearly. Racons, shielded to provide directional responses, can also be provided to mark traffic separation lanes between bridge piers.

3.2 Sidelobe suppression

A vessel passing a racon at close range, perhaps 0.5 nautical miles or less may trigger the racon with the radar antenna sidelobes, hence causing interference on the radar display. Sidelobe interference can be suppressed by special racon circuitry. The racon identifies the strongest signal as being from the main lobe and suppresses the rest.

(Side-Lobe Suppression : The means by which a racon is inhibited from transmitting in response to a signal from a side lobe of the antenna of an interrogating radar.)

4.1 Factors affecting nominal range

Apart from the effective power output of the radar, the most significant parameters affecting the nominal range are the heights of the racon and the radar scanner above sea level. The strength of the radar signal received at the racon is more critical than the return path and determines whether the racon will transmit a response.
The racon nominal ranges discussed in this section should be taken only as an approximate guide. The IALA document “Guidelines on Racon Range Performance” is a more detailed and technical discussion on racon range estimation.

4.1.1 Environmental Factors

In addition to the effective output power of the radar and the heights of the radar and racon, there are two environmental factors that have a major influence on whether the racon can be mseen on the radar display.
The propagation characteristics of the atmosphere can have a major influence on detection range, in particular at distances greater than 10 nautical miles Temperature, humidity and precipitation can alter the performance factor of the atmosphere. The performance factor is difficult to measure and impossible to predict, and the factor’s wide range in value makes racon range prediction difficult.

4.1.2 Multipath Fading

Multi-path fading is another major factor in range performance. Multi-path fading is selfinterference of the radar signal at the racon and is caused by reflection of the signal from the sea surface. Fading caused by out-of-phase signals reduces the radar signal strength at the racon. If the signal strength is below the racon’s detection threshold, the racon will not respond.
Fading occurs at varying distances from the radar. Radar and racon antenna heights are factors in determining where the faded areas are located. Therefore, fading zones will be at different distances for different vessels. The widths of the fading zones are dependent on sea state, atmospheric propagation and radar signal strength. Fading zones may not be a problem for moving vessels as they will soon move through the faded areas. …”


IALA Guideline No. 1010
On Racon Range Performance
Edition 2
June 2005
Edition 1 – December 1999

(Quelle :
http://www.tidelandsignal.com/web/information/IALA/IALA%20Guidelines/1010-RaconRngGdln/1010-RcnRng-Gdln-Ed2-2005.pdf )



Ergänzung 3 : "Oakland Tribune"(Quelle : Paul Rogers "UPDATE: Ship transponder data shows Cosco Busan changed course and…". Oakland Tribune. Nov 13, 2007. FindArticles.com. 23 Jul. 2008.
http://findarticles.com/p/articles/mi_qn4176/is_20071113/ai_n21100810)

UPDATE: Ship transponder data shows Cosco Busan changed course and…
Oakland Tribune ,  Nov 13, 2007   by Paul Rogers
“OAKLAND -- A new video made of the container ship Cosco Busan's course, based on radio signals emitted from the transponder on board, shows the ship veered dramatically to the left just before it approached the Bay Bridge from the south, then sailed roughly parallel to the bridge before taking a hard right turn and slamming into the bridge support.
The video animation is posted at www.boatingsf.com, a Web site that logs all shipping traffic on San Francisco Bay.
The new information came as National Traffic Safety Board investigators provided the most detailed report so far of the version of events bar pilot Capt. John Cota gave to them.
Cota told the NTSB panel Monday that as he approached the bridge, navigating the 902-foot Chinese container ship en route to South Korea, the radar produced distorted pictures on the electronic display. When he switched to electronic charts, he found discrepancies that he tried to work out with the ship's captain as the bow's lookout radioed that the Bay Bridge's tower loomed ahead.
The abrupt course change puzzles boaters. Cota, the San Francisco bar pilot guiding the 902-foot container ship in heavy fog from the Port of Oakland, has many years of experience.
"The $100 million question is why did he choose to turn when he did? Clearly he was mistaken about his position or his course and because of the fog couldn't see," said Michael Slater, a veteran sailor and software engineer from Sebastopol who maintains the Web site.
Slater said when he finally got the data assembled and could follow the ship's course he didn't find what he expected.
"I was shocked," Slater said. "I expected to find a ship on course under the bridge that strayed off and scraped the tower. Instead, the data shows the ship was going southwest, almost parallel to the bridge and completely in the wrong direction. Then it makes a very sharp turn very close to the bridge," he said.
It certainly leads to the impression that the pilot or whoever was at the helm was seriously confused about where they were located, Slater said.
"That's a little hard to understand, they have both radar and GPS plotters, independent of each other," he said. On radar that bridge tower should have lit up prominently on radar. It's a huge metal object, he said.
"The only thing, aside from gross inattention, that makes what happened seem reasonable is that in heavy fog, the radar had failed and the GPS chart plotter also was not working for some reason," Slater said.
"It makes you wonder. The ship was going 11 knots (about 12.6 miles per hour) and acting like there was no serious concern, that the pilot didn't think they were in trouble," he said.
The Coast Guard Vessel Traffic Service said normal speed for ships heading under the Bay Bridge is about 13 or 14 knots, depending on weather, wind and currents. Maximum speed underway on the bay is 15 knots.
John Meadows, an attorney for Cota, said earlier the pilot was "aiming for the center of the span and for some reason the ship went too far to the port." Instrumentation on the ship led Cota to believe the ship was on the course he intended, Meadows said.
The pilot had many concerns about the ship's navigation tools and the thick fog that morning, causing a 90-minute delay in the ship's departure from Oakland, a National Transportation Safety Board spokeswoman said Monday night.
It also was learned Monday that the Cosco Busan, which dumped 58,000 gallons of bunker fuel into San Francisco Bay after hitting the Bay Bridge, was attached to a tugboat at the time.
The tugboat, an added layer of safety that was not required, apparently was not asked -- or may have been unable -- to steer the vessel clear of the bridge in time.
With the cause of the accident still a mystery, the fact that the tug was not able to prevent the collision could indicate that the pilot and crew didn't realize the ship was dangerously off course, experts familiar with the case said Monday.
Cota told investigators that after arriving on board the ship early Wednesday morning, he had some concerns about the navigation tools including the electronic plotting aids, but decided after making some adjustments and the fog cleared a bit that it was safe to depart.
He said visibility deteriorated as he approached the bridge and he was using radar as the primary navigation tool.
Debbie Hersman, an NTSB member and spokeswoman, said as the ship approached the bridge, Cota told the NTSB "the images he was seeing became distorted."
When the ship turned to the right, the Coast Guard Vessel Traffic Service radioed the pilot asking, "What is your intention?"
The pilot told the NTSB he switched to an electronic chart, but some of the markings did not correspond with the ship's paper charts. Just as the bow lookout warned that a bridge tower was straight ahead, the captain and pilot "suddenly saw Delta Tower in front of them," Hersman said Cota told the NTSB.
The NTSB, which is taking over the investigation from the U.S. Coast Guard, is sending a radar technician to examine the ship's equipment and has yet to interview the ship's crew.”
                                               ***

Fregatte "Mecklenburg- Vorpommern" : Mit seeuntüchtigem Schiff ins Manöver ? Anmerkungen zu einem Seeunfall mit tödlichem Ausgang

HINWEIS : Kurzbericht "Fregatte 'Mecklenburg- Vorpommern' : Mit seeuntüch-tigem Schiff ins Manöver ? Anmerkungen zu einem Seeunfall mit tödlichem Ausgang" (17 Seiten) 

und

Tod auf See / PDF- Datei (ppt-Präsentation  mit 63 Bildern zur Analyse und Ursachenfindung)                                                            

                              unter Nr. 6   PUBLIKATION/DOWNLOAD                                                                                 


Speedboot der Fregatte „Mecklenburg – Vorpommern“ mit neuer Aussetzvorrichtung im
Juli2003(Foto:Kersandt,D.)Motorrettungsboot der Fregatte „Mecklenburg – Vorpommern“ im Juli 2003
(Foto:Kersandt,D.)

Zur Erinnerung : Am 06.März 2002 ereignete sich im Rahmen des NATO – Manövers „Strong Resolve“ in der Pommerschen Bucht ein Seeunfall mit tödlichem Ausgang. Während eines Personentransfers von der britischen Fregatte HMS „Cumberland“ zur deutschen Fregatte „Mecklenburg – Vorpommern“ mit einem britischen Speedboot kamen zwei deutsche Marinesoldaten um ihr Leben.
Die Wetterbedingungen waren schlecht : Windstärke 7 aus südwestlicher Richtung, Wellenhöhe bzw. Höhe der Dünung ca. 2 Meter aus Südwest, Lufttemperatur 4 - 5 ° C, Wassertemperatur 3 ° C. Dem deutschen Kommandanten wurde vorgeworfen, dass er seine Rettungsmittel nicht zur Bergung der im Wasser treibenden Seeleute einsetzte. Sein Verhalten begründete er u.a. mit der fehlenden Einsetzbarkeit der Boote unter den Wetterbedingungen. Nur mittels Ausnahmegenehmigung durfte die Fregatte am Seeverkehr teilnehmen. Trifft ihn der von den Hinterbliebenen vorgebrachte Vorwurf eines Fehlverhaltens allein oder handelt es sich um ein komplexes Versagen aller Beteiligten ? Der Verfasser möchte sich zu diesem Problem äußern und insbesondere eine noch sorgfältigere Prüfung aller Umstände vor der Erteilung von Ausnahmegenehmigungen auf dem Gebiet der Schiffssicherheit anregen.....6. Schlussbemerkungen
Ursächlich für den tödlichen Unfall zweier deutscher Marinesoldaten war, wie in den meisten Fällen, ein großer Komplex von Bedingungen, die erst in ihrer Einheit die bekannte Wirkung erzeugten. Angesichts dieser Tatsache erscheint es nicht angebracht, die Schuld (besser : ein Fehlverhalten) allein beim Kommandanten der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ , also am Ende der Kausalkette, zu suchen.
Das steht den Bemühungen für die Vermeidung ähnlicher Unfälle in der Zukunft entgegen. So müssen sicherlich das Verhalten der britischen Fregatte „Cumberland“, die Ausrüstung der deutschen Fregatte mit kollektiven und letztlich auch individuellen Rettungsmitteln, die Praxis bei Erteilung von Ausnahmegenehmigungen in Zusammenhang mit der nationalen und internationalen Gesetzgebung und die letztlich daraus resultierenden Entscheidungsprobleme für den Kommandanten der „Mecklenburg – Vorpommern“ einer näheren Prüfung unterzogen werden.
Nach Auffassung des Verfassers offenbaren sich letztlich folgende Erkenntnisse :
1. Die Manöver der britischen Fregatte „Cumberland“ waren aus seemännischer Sicht schlecht vorbereitet und führten deshalb nicht zum erwarteten und möglichen  Erfolg. Die Kommandostruktur war unklar.
2. Mit Kälteschutzanzügen ausgerüstete Seeleute hätten, wie die britischen Soldaten, das Unglück überlebt; Ausrüstung und Gebrauch dieser individuellen Rettungsmittel für den vorgenommenen Personen-Transfer waren in der Bundesmarine nicht geregelt.

3. Die Ausrüstung der deutschen Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ mit kollektiven Rettungsmitteln entsprach nicht der befohlenen Einsatzaufgabe des Schiffes und verstieß damit gegen SOLAS (International Convention for the Safety of Life at Sea; Ratifizierung durch die Bundesrepublik Deutschland 1974/88; BGBl. ll S.141).
4. Die Ausrüstung entsprach auch nicht der Bauvorschrift BV 1830-1 in Verbindung mit der Ausnahmegenehmigung 1/96 vom 23.August 1996, da die am 07.11.2001 den Fregatten der Klasse 123, darunter der MVP, bis zum 30. Juni 2002 befristet erteilte zweite Ausnahmegenehmigung zur Teilnahme am Seeverkehr (Ausnahme Nr. 02/01) den notwendigen Sicherheitsstandard wegen erheblicher technischer Mängel an den kollektiven Rettungsmitteln nicht aufheben konnte. Die Ausnahmegenehmigung wurde erteilt, obwohl den Aufsichtsbehörden diese Mängel hinreichend bekannt waren.
5. Der Einsatzbefehl für die Teilnahme der „Mecklenburg – Vorpommern“ am Manöver „Strong Resolve“ stellte unter Beachtung von 4. einen in Kauf genommenen Verstoß gegen nationale und internationale Gesetze und Vorschriften dar und kalkulierte damit ein hohes Sicherheitsrisiko für die Besatzung und den internationalen Seeverkehr ein. Ganz grundsätzlich verstieß damit die die Genehmigung erteilende Behörde gegen die ihr übertragene Sorgfalts- und Fürsorgepflicht hinsichtlich den der Bundesmarine und damit dem Staat anvertrauten Soldaten.
6. Der Kommandant der deutschen Fregatte handelte im Rahmen einer durch Befehlsstrukturen geordneten und koordinierten Rettungsaktion.
7. Die herrschenden Wetterbedingungen in Einheit mit den schiffsspezifischen Eigenschaften ließen den Einsatz des Motorrettungsbootes nicht nur nicht zu, sondern waren aus der Sicht der Beauflagung (Ausnahmegenehmigung) für einen begrenzten Einsatz dieses Bootes unzulässig. Über andere einsatzfähige kollektive Rettungsmittel verfügte die deutsche Fregatte nicht.
8. Dem Kommandanten der deutschen Fregatte kann weder die Einhaltung seiner Aufgabe bei einer koordinierten Rettung noch die Einhaltung einer sicherheitsspezifischen Beauflagung (Einsatz des MRB nur bis maximal 1,5 m Wellenhöhe) vorgeworfen werden.
9. Unter Beachtung der MDv 160/1 Ziffer 6605 und MDv 165/1 Ziffer 301/7 hob er die durch die Aufsichtsbehörde verfügte Stilllegung des BLK für das Speedboat nicht auf, da er annehmen musste, dass die Manöver der „Cumberland“ wegen deren Nähe zum Unfallort zum schnellen Aufnehmen der Verunglückten führen mussten und die Gefährdung der eigenen Besatzung wegen eines wahrscheinlichen technischen Versagens dieses Rettungsmittels so groß war, dass der Einsatz in Zusammenhang mit dem ersten Grund nicht zu rechtfertigen war. Ob der Kommandant angesichts der nachträglich festgestellten Fehlleistungen der britischen Fregatte das Motorrettungsboot hätte aussetzen müssen oder dürfen, ist zum Spekulationsobjekt der „am grünen Tisch“ analysierenden Sachverständigen und Beteiligten der Führungsebene der Bundesmarine geworden.
Er hätte in diese Lage gar nicht kommen können, wenn das von der Bundesrepublik Deutschland eingesetzte „Staatsschiff“ den internationalen Schiffssicherheitsbestim-mungen gerecht geworden wäre. Insofern ist die Schlussfolgerung zu ziehen, dass in (militärischen) Notsituationen bzw. bei Gefahren für das menschliche Leben der Kommandant auf funktionstüchtige und einsatzbereite technische Mittel und Systeme zurückgreifen können muss. Zusammen mit einem hohen Ausbildungsstandard, großem Verantwortungsbewusstsein und menschlicher Reife ist das die wichtigste Bedingung für die Wahrnehmung seiner Kommandofunktion auf See.
10. Der Kommandanten der „Mecklenburg-Vorpommern“ hat es versäumt, seine Vor- gesetzten bzw. die aktuelle Manöverleitung bei Beobachtung einer Wellenhöhe von 1,5 m und höher darüber zu informieren, dass sein Schiff bei diesen Wetterbedingungen seeuntüchtig wurde und nicht mehr in der Lage war, seine Einsatzaufgabe ohne Verstoß gegen gültige Beauflagungen (Ausnahmegenehmigung) zu erfüllen. Die Unterlassung dieser Pflicht ist, da er nicht annehmen konnte, in eine solche Lage zu kommen, für jeden Praktiker verständlich.
Die Meldung wäre gleichbedeutend mit der Tatsache, dass die deutsche Fregatte als Bestandteil der NATO-Flotte schon bei Wellenhöhen ab 1,5 m für jeglichen Einsatz auf See ungeeignet war. Das aber war der die Ausnahmegenehmigung erteilenden Stelle der Bundesmarine selbst bestens bekannt. Sie hätte das Schiff wegen unzureichender Rettungsmittel gar nicht auslaufen lassen dürfen."                                                               

                                                                              ***

Fischkutter "BELUGA" : Die Widerlegung einer „objektiven Unmöglichkeit“ oder zur Qualität der Beweisführung in einem Seeunfall ohne benennbare Zeugen

Diethard Kersandt

HINWEIS : Fischkutter "BELUGA" : Die Widerlegung einer „objektiven Unmöglichkeit“ oder zur Qualität der Beweisführung in einem Seeunfall ohne benennbare Zeugen (Kurzbericht, 14 Seiten)        

                                                               und

PDF - Datei in drei (3) Teilen (ppt-Präsentation  mit 76 Bildern zur Analyse und Ursachenfindung) (diese Dateien auf Anfrage)      

                             unter Nr. 7    PUBLIKATION/DOWNLOAD

 

Am 17.März 1999 gegen 22.30 Uhr lief der deutsche Fischkutter „Beluga“ aus dem Hafen von Saßnitz nach Nexö auf der Inseln Bornholm aus. An Bord waren: Kapitän Frank Schneider, Maschinist Hartmut Gleixner und Lehrling Martin Senfft. Kapitän Schneider hatte den im Jahre 1986/87 in Polen bzw. Finnland gebauten/umgebauten Kutter (ex „Mariola“) im April 1996 gekauft. Der Heckfänger hatte folgende Abmessungen : Länge über alles 17.58 m, Länge zwischen den Loten 15.85 m, Breite über alles 5.81 m, Seitenhöhe 3.30 m, Tiefgang ca. 3.00 m, Mindestfreibord 0.30 m, BRZ/NRZ 85/26, Gesamtleistung der Hauptmaschine 219 kW, Dienstgeschwindigkeit ca. 8 Knoten. Die nautische und technische Ausrüstung entsprach den Erfordernissen des Einsatzgebietes. Der Kapitän galt als erfahrener Seemann und guter Fischer. Es herrschte gute Sicht und südwestlicher Wind zwischen 3-4 Bft. Die Wellenhöhe lag bei etwa 0,5 m.

"Beluga" nach der Bergung

Aus der Computeranimation zur Rekonstruktion des Unfallherganges


Am 18.März 1999 gegen drei Uhr morgens versank nach einigen Stunden auf einem Kurs von 63° und etwa 8 Knoten Fahrt der Kutter zwischen den Inseln Rügen und Bornholm südlich des Adlergrundes in der Ostsee. Die drei Seeleute kamen um ihr Leben.

Warum sendete der Kapitän keinen Notruf ? Warum trugen die Seeleute keine Überlebensanzüge ? Wer war in dieser Nacht in der Nähe des Unglücksortes ? Warum vergingen so viele Stunden zwischen der Entdeckung des Unglücks und einer koordinierten Suche und Rettung ? Warum waren die Taucherberichte ungenau und widersprüchlich ? Warum wurde die Untersuchung des Seeunfalls so einseitig geführt ? Warum erfolgte keine Spurenanalyse ? Hat sich der Kapitän fehlerhaft verhalten ? Warum irrten sich Gutachter ? Warum wurden Sachverständige mit ihren materialtechnischen Analysen nicht angehört ? Trugen die Wetterbedingungen zum Unfall bei ? Lag der Kutter wirklich so tief im Wasser ? Welche Rolle spielte die Bundesmarine ? Wo sind die Radaraufzeichnungen geblieben ? Hat ein Schleppzug den Weg des Kutters gekreuzt ? Wer hatte das Schiffstagebuch und warum wurde es erst nach einem Jahr vorgelegt ? Was, wer, warum ... ? - Fragen über Fragen, die weder in der Verhandlung des Falles vor dem Seeamt Rostock, noch vor dem Bundesoberseeamt in Hamburg jemals beantwortet wurden. Fragen, die die Öffentlichkeit, insbesondere aber die Angehörigen der drei verunglückten Seeleute, bis heute bewegen.
Nach der Bergung konnten die Untersuchungsbehörden (im weiteren vereinfacht als „Seeamt“ bezeichnet) zunächst kein Zeichen äußerer Gewalteinwirkung erkennen und konzentrierten die Ermittlungsarbeit auf „schiffsinterne Ursachen“. Erst später stellte sich heraus, dass der Kutter doch Spuren von „Fremdwirkungen“ trug und das zunächst konstatierte Fehlverhalten des Kapitäns einer neuen Bewertung bedurfte.
Am Ende prallten zwei Ansichten aufeinander : Beide Seiten führten eine Reihe von Argumenten zur Begründung ihrer Hypothesen an und der Streit nahm, alsbald außerhalb der juristischen Abläufe, einen erbitterten, von der Öffentlichkeit aufmerksam begleiteten Fortgang.
Das Seeamt begründete die ermittelten Unfallursachen damit, dass der Kutter bereits
überladen ausgelaufen war (Grundlage : Ablesung des Wasserpasses nach der Bergung), dass die Wellenparameter in Verbindung mit den Parametern des Kutters zu instabilen Zuständen führten (Reiten auf der Welle bei achterlichem Seegang) und das einige Öffnungen / Luken des Kutters nicht vorschriftsmäßig geschlossen waren (Grundlage : Videoaufnahmen nach der Bergung). Einige Zustandsveränderungen und Spuren am Bordkran führten sie nicht auf Fremdeinwirkungen zurück, sondern auf die Einwirkung eines Ankers / einer Ankerkette des Taucherbasisbootes vor der Bergung.
Die Gegenseite konnte durch materialwissenschaftliche Untersuchungen der Spuren am Kran beweisen, dass diese durch eine Drahtleine entstanden waren und in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Unfall stehen mussten (Fremdeinwirkung). Sie konnten mittels einer Computeranimation veranschaulichen, dass die Behauptung „... schließt der Gutachter (des Seeamtes) eine Berührung des Krans in Ruhestellung in der Höhe der Seiltrommel / Windenmotors durch eine Schleppleine aufgrund der festgestellten objektiven Unmöglichkeit aus“ , widerlegt werden konnte.
Wer hat nun Recht und wie kann man eine größere Widerspruchsfreiheit in den Argumenten erreichen?

1. Der Kutter ist durch schiffsinterne Ursachen verunglückt.
2. Der Kutter ist durch Fremdeinwirkungen gesunken.                                                                

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Weitere Ausführungen unter    PERSÖNLICHES

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