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HOFFNUNG und IRRTUM

 

 

ERINNERUNGEN AN DIE WENDE

 

Hoffnung und Irrtum

 

Diethard Kersandt,

Literarische Dokumentation

ca. 271 Seiten

 

Rostock, 2014 / Wedel, 2018

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© Alle Rechte vorbehalten -   2014 / 2018  Diethard Kersandt

 

Dr.Ing.habil. Dipl.-Ing.oec. Kapitän AG Diethard Kersandt, Wiedestrasse 4a, D - 22880 Wedel

diethard.kersandt@kabelmail.de Tel.: 04103 / 9673850 http://www.forum-schiffsfuehrung.com

 

 

Die aufgeführten Namen wurden verändert bzw. abgekürzt. Eine vollständige Wiedergabe erfolgte nur bei Personen, die amtliche, öffentliche Stellen vertraten.

 

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             Hoffnung und Irrtum

                                        

                                         VORWORT

           

Als ich das erste Mal auf die Straße ging, dachte ich nicht an die deutsche Einheit. Ich tat es nach vielen Diskussionen in Parteiversammlungen und dienstlichen Besprechungen an der Hochschule für Seefahrt und nach der Einsicht, dass sich nichts ändern würde, wenn die alten Strukturen bleiben würden.

Diese Strukturen hatten ein hohes Beharrungsvermögen, sie hatten die Macht der Entscheidun-gen, sie besetzten gut bezahlte Positionen und ihnen fehlte die Fähigkeit der Selbsterneuerung.

An den ersten öffentlichen Protesten beteiligten sich Menschen, die mit übergroßer Mehrheit das System, in dem sie lebten und arbeiteten, verbessern wollten. Sie wollten es zu Beginn der Protestaktionen nicht mit dem westlichen Teil der Bundesrepublik Deutschland vereinigen.

Der Ruf nach neuer Freiheit entwickelte sich mit dem Zuwachs des Selbstbewusstseins und des Vertrauens in die Kraft eigenen Entscheidens und Handelns. Das etwa im Jahre 1988 aufkei-mende politische Ziel „Wiedervereinigung“ bündelte die Unzufriedenheit und eröffnete neue Hoffnungen. Dem Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung der Persönlichkeit, der in der DDR nur sehr bedingt erfüllt werden konnte, wurde eine neue Perspektive gegeben.

 

Der Weg in die politische Erneuerung der Gesellschaft war anfangs mit großen Hoffnungen ver-bunden. Ich wollte die weitere Gestaltung meines Lebens mit neuer Kraft und neuen Zielen in die eigene Hand nehmen.

Bald aber musste ich erleben, dass zu Hoffnungen immer auch Enttäuschungen gehören. Mein anfängliches Vertrauen in die Ehrlichkeit und Moral von Menschen, mit denen ich einen Teil meines Lebens gemeinsam gegangen war, erwies sich als schmerzhafter Irrtum. Sie verarbei-teten ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Enttäuschungen eines langen Lebensabschnittes in der DDR und strebten nach einer Mischung aus Wiedergutmachung und neuem Lebensinhalt. Sie suchten Schul-dige für erlittene Einschränkungen zunächst in ihrem unmittelbaren Umfeld und fanden dabei die Unterstützung der sich neu herausbildenden politischen Macht. In unzulässiger aber aus der Sicht menschlicher Eigenschaften erklärbarer Verallgemeinerung setzten sie Menschen aus ihrer unmittelbaren Umgebung mit dem Versagen des Systems in seiner Gesamtheit gleich.

 

So wurden aus ehemaligen Kollegen Gegner, die sich mit allen Mitteln ihren neuen Platz in der Gesellschaft sichern wollten. Sie scheuten sich nicht davor, die Unwahrheit zu sagen oder von Halbwahrheiten nach ihrer Wahl Gebrauch zu machen. Der neuen politischen Macht, unterstützt durch „Berater“ aus dem Westen Deutschlands, kam dieser „Eigensäuberungsprozess“ sehr entge-gen. Mein Glaube an die Rechtsstaatlichkeit im Allgemeinen und an die Wahrheitsfindung durch die Gerichte im Besonderen wurden zutiefst enttäuscht.

Unzählige Rechtsbrüche gerichtlicher Instanzen erschütterten mich tief. Niemals vorher hätte ich angenommen, dass auch in der neuen Demokratie das Mittel der Lüge nachhaltige Verwendung erfuhr. Immer erschienen diese Lügen mit gesellschaftlicher Relevanz im Tarnmantel politischen Willens und staatlicher Verwaltung. Sie wurden durch willfährige Rechtsanwälte begründet und mittels abhängig orientierter Richter in den Status von Wahrheit und Recht erhoben.

 

Meine größten Hoffnung bauten auf meinem eigenen Lebensweg auf, den ich mir vom Matrosen-lehrling bis zum habilitierten Ingenieur erarbeitet hatte, der mir die fachliche Sicherheit und die moralische Grundlage gab, auch in der neuen Gesellschaft bestehen zu können. Aber die Zufrieden-heit mit meinem ausgefüllten Leben war sehr relativ und hatte mittelfristig in der neuen Gesell-schaft keinen Bestand. Sie verkehrte sich in das Gegenteil : sie war Last und Vorwurf sowie Gegen-stand von Neid und Missgunst.

Die neue politischen Macht erfand viele demokratisch erscheinende Elemente, die den “Benach-teiligten“ in die Hand gegeben wurden. Damit erhielten sie die Legitimation zum Handeln und hielten sie wie ein Schild vor ihre persönliche Handlungsweise.

Unbefangen stolperte ich in den „Gerechtigkeitsausschuss“, der mir die vermeintlichen Beschul-digungen im Originaltext vorlas ohne mir rechtliches Gehör zu geben, geriet in die Fänge der „Ehrenkommission“, deren Mitglieder ihre Ehre bereits bei ihrer Bereitschaft, Unwahrheiten zu bezeugen, verloren hatten.

 

Ich bemühte mehrere Gerichte und Instanzen, die ihr politisches Urteil gesprochen hatten, bevor die Verhandlungen begannen. Daraus leiteten sie das Recht ab, meine Beweismittel und Zeugnisse ab-zulehnen. Ich musste die Lügen eines Rechtsanwaltes des Kultusministeriums Mecklenburg / Vor-pommern ertragen und nahezu machtlos zusehen, wie sie als Grundlage staatlicher Verwaltungs-maßnahmen missbraucht wurden.

Ich wurde aus dem Hochschuldienst entlassen, weil sich die Kultusministerin auf die politisch mo-tivierten Empfehlungen der Ehrenkommission berief, die persönliche Bewertungen von Einzelper-sonen ohne rechtliches Gehör des Betroffenen übernahm. Die Ablehnung meines Überleitungs-antrages beruhte auf falschen und politisch beeinflussten Gutachten willfähriger Gutachter. Ich wendete mich vergeblich an das Bundesverfassungsgericht und die Europäische Kommission für Menschenrechte. Einen der sehr enttäuschenden Tiefpunkte meiner Bemü-hungen um Mitarbeit in der neuen Demokratie bildete die Antwort des Bundespräsidenten, der meine Beschwerde an ihn ganz in seinem Sinne kommentierte :

 

.... So bedauerlich und für die Betroffenen wenig akzeptabel ein als falsch empfundene oder gar falsche gerichtliche Entscheidung (Richter sind wie alle Menschen gelegentlich unzulänglich) auch sein mag, so wenig kann grundsätzlich zweifelhaft sein, dass der Rechtsstaat der indivi-duellen Rechtsverfolgung Grenzen setzen muss....“ (7.März 1996).

 

Meine Rückschau beginnt mit dem Jahr 1988, als die universitäre maritime Ausbildung, Weiter-bildung und Forschung der DDR hohes internationales Ansehen besaß. Als ehemaliger Schiffs-offizier (Kapitän auf Großer Fahrt) und Hochschullehrer für Navigation und Prozess-Simulation (Dr. Ing. habil.) war ich neben der theoretischen u.a. auch für die praktische Ausbildung von zukünftigen Offizieren der Handelsschifffahrt sowie für Weiterbildung, Forschung und Erprobung auf einem Ausbildungs- und Trainingsschiff tätig.

 

Am 3. Oktober 1990 wurde in Bremen auf diesem Schiff der Flaggenwechsel vollzogen.

 

Gleichzeitig begann die „Umstrukturierung“ der universitären maritimen Bildung auf das in der BRD übliche Niveau, die Abschaffung des Schiffes und die „Säuberung“ des Lehrkörpers von Personen, die als nicht fähig betrachtet wurden, die Grundwerte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland vor Studenten zu vertreten. Dazu wurde auch ich gezählt.

Nach der Entlassung aus dem Hochschuldienst verändere ich mich von einem sozialistischen Hochschullehrer zu einem Verkäufer militärischer und ziviler Navigationssysteme einer amerika-nischen Firma. Dieser Job wurde frei, weil mein Vorgänger, ein ehemaliger U-Boot – Komman-dant der faschistischen Wehrmacht gerade verstorben war. Episoden in Russland, in Afrika, in Süd- und Nordamerika sowie in der Bundesrepublik selbst vermitteln ein buntes Bild meiner beruflichen Tätigkeit in dieser von Hoffnungen und Irrtümern gekennzeichneten Zeit.

Niemals hätte ich damit gerechnet, dass ich als Sales Manager dieser weltweit operierenden Firma solche Systeme u.a. auch an die U-Boot – Flotte und die geplanten Fregatten-Neubauten der Bundesmarine verkaufen sollte.

Da mit der deutschen Einheit zugleich die Schärfe aus dem Ost – West – Konflikt genommen wurde, hatte das u.a. auch Auswirkungen auf die Erneuerung der deutschen U-Boot – Flotte. Die Programme zur Ausrüstung mit modernen militärischen Navigationsgeräten, z.B. Trägheitsnavi-gationssysteme, wurde um Jahre verschoben. Auf zivilem Sektor musste man sich harter deutscher Konkurrenz erwehren. Nicht immer mit Erfolg. Ich wurde als der zuletzt Hinzugekommene entlassen und nahm eine wissenschaftliche Tätigkeit in einer maritimen Technologiefirma im Osten Deutschlands auf.

 

Auf dem Höhepunkt meiner wissenschaftlichen Arbeit erhielt ich eine internationale Anerkennung für innovative Forschungsergebnisse, die ich in London übernehmen sollte, erlitt aber einige Tage zuvor einen Herzinfarkt und wurde für immer erwerbsunfähig. Meine Forschungsgruppe wurde mit dem Technologiepreis des Landes M/V ausgezeichnet.

 

Ich lebe sehr gern in dem neuen Deutschland. Es ist und bleibt meine Heimat. Die Herstellung der deutschen Einheit in den Köpfen der Menschen ist nicht gelungen. Vielleicht ist das gut so, denn es gibt viel Bewahrenswertes, das sich heute, 30 Jahre nach der „Wende“, als wertvolles Erbe der Menschen aus der ehemaligen DDR äußert. Die Hoffnung auf die Vereinheitlichung der Denk- und Lebensweisen der Menschen war ein großer Irrtum, weil er an den existenziellen Eigenschaften einer sich entwickelnden Gesellschaft vorbeigeht.

Eine moderne Gesellschaft kann sich nur unter Berücksichtigung und Förderung der Vielfalt und der Besonderheiten von Menschen herausbilden. Das bedeutet auch, die Lebensleistungen von Menschen anzuerkennen, Fehler und Schwächen als Quelle neuer Wahrheiten zu entdecken und die aktive Mitwirken an der immer wieder stattfindenden Erneuerung und Gestaltung menschlicher Lebensweise zu ermöglichen.

 

Das politische System in der Bundesrepublik erwies sich als gesellschaftspolitisch unfähig und in der Nachbetrachtung als unreif, diese Aufgabe zu lösen und versagte Millionen von Menschen aus der DDR eine gleichberechtigte Mitwirkung.

 

 

Diethard Kersandt Rostock, 2014 / Wedel, 2018                 

 

                                                                       ***

 

Liebe Leser !

Wenn Sie sich entschließen, die folgende PDF - Datei herunterzuladen und die Geduld aufbrin-gen, den Inhalt meiner "dokumentarischen Erinnerungen" zu lesen, bitte ich Sie, daran zu denken, dass ich noch heute voller Zorn, Verbit-terung und Enttäuschung über das Verhalten ehemaliger  Mitarbeiter bin, die als "Werkzeuge" der neuen politischen Machthaber skrupellos  ihre persönliche Zukunft aufbauten. Sie waren die Handlanger der Gerichte, die sich in den Dienst ihrer Auftraggeber stellten und selbst nachweisliche Lügen eines Rechtsanwaltes des Kultusministeriums zur Grundlage ihrer Rechts-sprechnung machten.

 

Den sogenannten Fachleuten aus dem "Westen" werfe ich vor, dass sie leichtsinnig und unwis-send Gutachten lieferten und damit ihren politischen Auftrag erfüllten. 

 

Mein herzlicher Dank gebührt denen, die  mit großer Ehrlichkeit zu mir hielten und das mündlich und schriftlich zum Ausdruck brachten.

 

Ich habe in der Zeit des Kampfes um meinen Beruf, um den Erhalt der universitären maritimen Lehre und Forschung und des Ausbildungs- und Trainingsschiffes "STÖRTEBEKER", einem 'Maritimen Technikum',  sowie durch die Bemühungen, meine Lebensleistungen in die neue Ge-

sellschaftsordnung einzubringen, meine Gesundheit verloren und wurde im Jahre 1997 für immer erwerbsunfähig.

 

Mit dieser "literarischen Dokumentation" lasse ich Sie an meinen Erlebnissen aus einer ganz persönlichen Sicht teilnehmen.

 

                                                                 ***

                             INHALTSVERZEICHNIS

 

VORWORT                                                                                                                           4

 

SPÄTE VERGELTUNG, RÜCKSCHAU UND

BEGINN DER AUSEINANDERSETZUNGEN                                                                      7

 

WIR WOLLEN UNS 'EINBRINGEN'                                                                                    18

FLAGGENWECHSEL - „BLÜH' IM GLANZE DIESES GLÜCKES“                                     23

DAS ENDE DER UNIVERSITÄREN MARITIMEN AUSBILDUNG NAHT                           27

VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG                                                                                32

ÜBERLEITUNG – DIE „DEMOKRATIE“ SCHAFFT SICH IHRE EIGENEN GESETZE      44

UND NEBENBEI NACH INDIEN ? MEHR ALS EIN GLAS ZERBRICHT                            47

EHRENKOMMISSION – SYSTEMTREU, HÖRIG, ABHÄNGIG, UNGERECHT                 53

ICH WIDERSPRECHE                                                                                                        66

POLITISCH MOTIVIERTE AKTIONEN , EINSATZ FÜR ANDERE                                     72

ÜBERLEITUNG ABGELEHNT                                                                                             77

DIE RATTEN VERLASSEN DAS SINKENDE SCHIFF                                                        82

LETZTE VERSUCHE, DAS ÜBERLEBEN ZU SICHERN                                                    86

VERLOREN                                                                                                                          94

KONTAKT VERSUCH MIT RUSSLAND - WIR MÜSSEN LEBEN                                       97

WEITERE ERLEBNISSE IM „RECHTSSTAAT“                                                                 104

 

NEUANFANG                                                                                                                      117

ABSCHIED UND WELCOME                                                                                              127

IN DEN USA - IM HEADQUARTER                                                                                     132

DER KAMPF GEHT WEITER, AUCH GEGEN LÜGEN                                                      144

UND ZWISCHENDURCH NACH AFRIKA                                                                           153

 

WIEVIEL MUSS EIN MENSCH ERTRAGEN ?                                                                   165

ZU SPÄT ABER EHRLICH : MIT BUNDESRECHT NICHT VEREINBAR !                         185

NACH SÜDAMERIKA                                                                                                          219

VIEL ZU SPÄT : AKTENEINSICHT                                                                                     221

NACH WIE VOR : FREUDE AN DER WISSENSCHAFT, ABGEWISENE KLAGEN          248

„EHREN-OSCAR“ UND DEM TODE NAHE                                                                        257

 

EPILOG                                                                                                                                266

 

 

ANHANG : BERUFS- UND TÄTIGKEITSPROFIL                                                               271

 

                                                                       ***

 

Kersandt, Diethard : HOFFNUNG und IRRTUM - Erinnerungen an die Wende, Literarische Dokumentation, 271 Seiten, Rostock 2014 / Wedel 2018
Diese Broschüre dokumentieret, erweitert durch viele Episoden aus dem beruflichen
Leben, meinen Lebensweg nach der Wende. Ich versuche, die Inhalte vieler Original-
dokumente darzustellen und kritisch zu kommentieren. Dabei verschweige ich nicht,
dass ich sehr gern in dem neuen Deutschland lebe. Es ist und bleibt meine Heimat.
Die Herstellung der deutschen Einheit in den Köpfen der Menschen ist noch nicht
gelungen. Die Hoffnung darauf war ein großer Irrtum.
Das politische System hat sich als unfähig erwiesen, diese Aufgabe zu lösen,
weil es Millionen von Menschen aus der DDR eine gleichberechtigte Mitwirkung
versagte. Das muss den nächsten Generationen überlassen werden.
HOFF_IRRT_aktuell_neu.pdf
PDF-Dokument [19.5 MB]

Hier finden Sie mich :

Dr. Diethard Kersandt
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